Wilder Wanderberg Freiger (3418m)

Es ist toll, Eltern zu sein. Und es ist noch toller, wenn der Nachwuchs seine ersten richtigen Wanderschuhe voller Stolz und Freude trägt und man kurze Passagen gemeinsam mit ihm gehen kann statt ihn tragen zu müssen. 

Gleichzeitig tut es aber auch gut, nochmal wieder als Paar unterwegs zu sein. Dank der Großeltern, die den Kleinen zwei Tage "übernahmen", ging sich in diesem Urlaub sogar ein veritabler Dreitausender aus.

Am 11.08.2026 machten wir uns nach einer kurzen Busfahrt von der Haltestelle "Nürnberger Hütte" auf zur - Überraschung - Nürnberger Hütte. Hier bezogen wir unser Lager und gingen trotz der bereits um die Mittagszeit zahlreichen Wolken noch zum Hüttengipfel, der 2775m hohen Mairspitz. 

Links unser Ziel für den nächsten Tag

Nach einer erstaunlich guten Nacht riss uns der Wecker um 5:15 Uhr aus dem Schlaf. Obwohl keine Gewitter drohten, wollten wir aufgrund der Länge der Tour doch früh los, um abends nicht zu spät bei Sohnemann, Oma und Opa zurück zu sein. Wir ließen uns unser Thermofrühstück schmecken und brachen um 6:30 Uhr auf. 

Einsam ging es durch den frühen Morgen.

Vorbei an Urfallspitz und Gamsspitzl hinauf auf den Nordostgrat des Signalgipfels. Vor nicht allzu vielen Jahren wurde hier vermutlich noch Gletscher betreten - wir hatten nicht einmal mehr Schneekontakt. 

Könnte man als Schlüsselstelle der Tour bezeichnen

Der Gipfelgrat...

... an dessen Ende nochmal gekraxelt werden darf

Um kurz vor zehn erreichten wir das weitläufige Plateau des Gipfelbereichs und zwanzig Minuten später den kreuzgeschmückten Gipfel des 3418m hohen Bergs. Hier ließen wir uns - wie sollte es auch anders sein - für eine ausgedehnte Rast nieder. 

Die drei Einheimischen (?), die kurz nach uns ankamen und gleich wieder verschwanden, starteten kurze Zeit später mit ihren Gleitschirmen vom Gletscher südlich des Gipfels - Respekt, das sah nicht einfach aus. Nach einer dreiviertel Stunde hatten dann auch wir uns sattgesehen und -gegessen und begannen den Abstieg. Zunächst mussten wir den gesamten, doch streckenweise auch mühsamen Weg zurück zur Seescharte hinter uns bringen. Zu unserer Freude ließen sich dort die Gänsegeier, die wir schon am Vortag gesehen hatten, nochmals blicken (mit einer Überraschung - dazu mehr im Epilog). 

Von der Seescharte folgten wir nun den Schildern und Markierungen hinab zur Sulzenauhütte. Und spätestens ab Erreichen des Grünausees war die Umgebung so einzigartig schön, dass ich immer wieder stehen bleiben und genießen musste - wie gut, dass wir gut in der Zeit lagen! 

Und wie praktisch, dass Uli bereits vorgelaufen war und schon mal den Kaiserschmarrn bestellt hatte :-) Diesen ließen wir uns verdientermaßen schmecken und starteten schließlich gegen halb vier zu unserer letzten Etappe, dem Abstieg über die Sulzaualm zur Bushaltestelle.  

Keine zehn Minuten nach unserer Ankunft konnten wir auf der kurzen Busfahrt einige Augenblicke inne halten, bevor uns in der Ferienwohnung wieder der Alltag einholte: Duschen, Abendessen machen, Kind bespaßen und Kind ins Bett bringen - anschließend fielen auch wir müde, aber glücklich ins Bett.

  • Tourdatum: Dienstag, 11.08. und Donnerstag, 12.08.2026
  • Zeitbedarf Tag 1 (ohne Pausen): Bushaltestelle - Hütte 2 Stunden, Hütte - Mairspitz und zurück ca. 2 Stunden, gesamt 4 Stunden
  • Zeitbedarf Tag 2 (ohne Pausen): Hütte - Wilder Freiger 3,5 Stunden, Wilder Freiger - Seescharte knapp 2 Stunden, Seescharte - Sulzenauhütte gut 1 Stunde, Sulzenauhütte - Bushaltestelle knapp 1,5 Stunden, gesamt 8 Stunden 
  • Höhenmeter Tag 1: 900 bis zur Hütte, dann nochmal 500 bis zur Mairspitz (und natürlich die auch wieder runter)
  • Höhenmeter Tag 2: Rund 1200 bergauf, 1900 bergab (gut 16 km Strecke)

***

Epilog (Faunistisches):
 
Und ich sag noch zu Uli beim Aufstieg zur Nürnberger Hütte: "Da sieht man mal, was es für einen Unterschied macht, wenn man in einem so touristischen Gebiet unterwegs ist - wir haben bisher nicht einmal einen Adler oder Geier gesehen, ganz im Gegensatz zu unseren Urlauben im Nationalpark Hohe Tauern." 
 
Quasi eine Stunde später erblicken wir am Himmel extrem große Vögel. Da sie glücklicherweise näher kommen (wir haben leider keine Ferngläser dabei), steht irgendwann fest: Gänsegeier! Mindestens zehn Stück! 
 
Am nächsten Tag kurz vor der Seescharte dann wieder: 15 Gänsegeier segeln am Himmel, einige davon kommen uns richtig nah. Wir bleiben stehen und genießen den Anblick. Aber halt, einer sieht anders aus, die Silhouette stimmt nicht. Wir verfolgen den Vogel gespannt mit unseren Blicken und hoffen darauf, bei einer Drehung die Umrisse besser erkennen zu können. Und tatsächlich: Mehrfach zeigt er seinen keilförmigen Schwanz und einmal können wir sogar die Gefiederfärbung gut erkennen: Ein Bartgeier! Mitten unter 14 Gänsegeiern. Was für ein Erlebnis!

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