Montag, 12. Dezember 2016

Rotwand (1884m) über Pfanngrabensteig - Individualismus vs. Naturverträglichkeit

Im Moment stecke ich in einem Dilemma. Einerseits suche ich in den Bergen Ruhe und Abgeschiedenheit, denn nichts hasse ich mehr als lärmende Menschen in der Natur. Andererseits möchte ich auch den dort lebenden Tieren die Chance nicht verwehren, sich zurückziehen zu können, um einigermaßen ungestört zu sein. Was also tun, wenn man die Einsamkeit sucht, aber nicht ständig auf unmarkierten Routen oder - noch schlimmer - weglos durchs Gelände stapfen will?


Eine mögliche Lösung liegt auf der Hand: Wandern bei schlechtem Wetter. So geschehen beispielsweise am Mittenwalder Höhenweg und am Wank. Kann man machen, kann ab und zu auch ganz nett sein, muss aber nicht zur Regel werden. Eine andere Möglichkeit, die mir persönlich schon sehr viel mehr zusagt: Zu ungewöhnlichen Tages- oder Jahreszeiten unterwegs sein - wie beispielsweise zuletzt am Jochberg oder am Herzogstand/Heimgarten.

Aber auch auf markierten Wanderwegen ohne übermäßig viel Schnee und bei wunderbarem Bergwetter kann man relativ einsam unterwegs sein. Man muss vielleicht einfach mal öfter "um die Ecke denken" und beim Blick in die Karte auch den weniger offensichtlichen Steigen Beachtung schenken.

So durften wir am zweiten Adventswochenende bei einer Tour am Spitzingsee, für die auch noch eine Einkehr auf einer bewirtschafteten Hütte zum Auswahlkriterium erkoren wurde, zumindest beim Aufstieg fast komplett alleine unterwegs sein.

Eisig ist's im Schatten

Winteridylle

Here comes the sun

Bei der Kümpflalm

Soooo schön!

Rotwandhaus im Winterschlaf

Fast oben

Ein Traumtag - und wir ganz allein am Rotwandgipfel!

Ruchenköpfe, Steinberge und Co.

Rückblick auf dem Weiterweg

Schönfeldhütte bereits im Blick

Auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Ein Traumtag!

Ohne Worte...


  • Tourdatum: Samstag, 02.12.2016
  • Zeitbedarf: gut 3 Stunden bis zur Rotwand, nochmal gut 1 Stunde bis zur Schönfeldhütte, knapp 45 Minuten bis zum Spitzingsattel; gesamt etwa 5 Stunden
  • Höhenmeter: jeweils 900 bergauf und bergab
***

Noch ein Schlusswort: Natürlich werde ich auch weiterhin die Blogkategorie "Wilde Wege" speisen, denn es reizt mich schon sehr, bekannte Gipfel über ungewöhnliche Routen zu erkunden und damit den leider oft lärmenden Menschenansammlungen aus dem Weg zu gehen. Aber ich werde in Zukunft verstärkt darauf achten, dies möglichst naturverträglich zu gestalten. Eine Tour wie die zum Brunnberg würde ich z.B. mit Sicherheit nicht mehr im Spätherbst unternehmen, um speziell die Rauhfußhühner bei ihrer Wintervorbereitung nicht zu stören. Andere Touren wie beispielsweise der Ostgrat zur Brecherspitz, die nur noch bedingt den Titel "Geheimtipp" tragen können, sind in meinen Augen vertretbar; genauso wie Touren, die nur ganz leicht abseits viel begangener Wege liegen. Doch es ist ein schmaler Grat zwischen Individualismus und Naturverträglichkeit und man kann letztendlich immer nur nach bestem Wissen und Gewissen handeln. Aber alleine das Bewusstsein, dass man die Berge mit anderen Lebewesen teilt, ist in meinen Augen schon der erste Schritt in die richtige Richtung.

Kommentare:

  1. Hallo liebe Rebecca,
    du beschreibst etwas, was auch mich immer wieder beschäftigt. Das Ding ist ja: Mit den Blogs inspirieren wir (gerne) immer wieder auch andere, die ebenfalls in die Berge möchten, es uns nachzutun. Auch wenn das vielleicht etwas "überhöht" klingt, aber ich denke, es ist wichtig, dass wir uns als Blogger unserer Verantwortung bewusst sind. Wenn wir fragwürdige Dinge tun und EINER es nachmacht, mags für die Natur noch okay sein. Wenn's mehr oder gar die Masse werden, haben wir ein Problem. Kritisch sehe ich daher gerade auch Fotos (nicht zuletzt in Werbung von Outdoor-Firmen oder ganze Instagram-Accounts füllend), die unsere "Sehnsucht nach Draußen" anstacheln soll, die so aber vor unserer Haustür eigentlich nicht oder nur selten gestillt werden kann, wenn man sich an die Regeln halten will (Stichwort: Tolle Bilder vom Zelten am Bergsee oder Lagerfeuer in den Alpen).
    Dein Ansatz, auf Naturverträglichkeit zu achten, erscheint mir sehr logisch. Ich finde auch die "Wilden Wege" keinen Widerspruch dazu. Glücklicherweise können wir uns ja mit Karten versorgen, die alle notwendigen Infos beinhalten und auch vor Ort wird immer besser auf die Schutzgebiete hingewiesen. Let's spread the word. :-)
    In diesem Sinne: Auf ein glückliches, gutes & gesundes (Berg-)Jahr, Nadine

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    1. Liebe Nadine,

      zuerst einmal: Auch dir ein wunderbares neues Jahr!

      Natürlich tragen wir Blogger eine gewisse Verantwortung, vor allem, wenn wir den Anspruch haben, keine 08/15-Touren zu veröffentlichen. Auch aus diesem Grund habe ich den Artikel geschrieben. Allzu große Hoffnungen auf Veränderung mache ich mir allerdings nicht. "Bestes" Beispiel von gestern auf dem Auerspitz im Rotwandgebiet: DAV-Tourenleiter der Sektion München/Oberland kommt mit Gruppe vom Ostkamm und steigt Richtung Süden wieder ab - beide Wege (wobei der erste nicht mal ein offizieller Weg ist) laufen quer durch ein großes Wildschongebiet. Super! Das mag vielleicht ein (besonders) schwarzes Schaf gewesen sein, aber die Sache zeigt leider auch, dass man am besten bei sich selbst anfängt. Denn da kann man wirklich etwas verändern. Schön ist es natürlich, wenn andere sich ähnliche Gedanken machen, daher vielen lieben Dank für deinen Kommentar :)

      Gruß

      Rebecca

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