Montag, 19. Mai 2014

Steilgraswandern und die Suche nach dem Grat

Da unsere geplante Überschreitung der Pyramidenspitze im Kaisergebirge aufgrund des Neuschnees nicht mehr möglich schien und das Wetter im Westen sehr viel schöner zu werden versprach, fuhren wir gestern Morgen nach Oberammergau, von wo aus wir den Sonnenberggrat bzw. die Felsengruppe "Am Zahn" ansteuerten. Gleich zu Beginn (9:30 Uhr) war es bereits ziemlich warm und auch beim Blick in die Nordseiten der umliegenden Berge war klar: Sehr viel Schnee würde auf unserer Route nicht mehr liegen. Leider bedeutet Schneeschmelze meist nasse Wege, Wiesen und Felsen, weswegen wir auch auf die Besteigung des Zahns verzichteten. Ich hatte vorher gelesen, dass es sich beim Gipfel, der sich neben dem kreuzgeschmückten Türmchen mit einigen kurzen, eingebohrten Routen befindet, um IIer-Kletterei handeln sollte, also wollten wir es zumindest versuchen. Aufgrund der Nässe und des extrem splittrigen Gesteins war uns die Sache aber wie gesagt sowohl von Osten als auch von Westen zu heikel, sodass wir lieber noch ein wenig die wunderschöne Gegend erkundeten.

Rückblick vom Umkehrpunkt an der Ostseite des Zahngipfels
Zahn-Westseite
Um schließlich wieder auf den Wanderweg zu kommen, querten wir bzw. stiegen wir einfach im nassen, etwas steileren Gras weglos ab, wobei uns hier die mitgeführten Steigeisen eine große Hilfe waren.

Rückblick zur Zahn-Westseite und nach Oberammergau (links)
Weiter ging es dann in der Nordflanke auf dem schmalen, aber gut begehbaren Weg Nr. 22/201 in Richtung Sonnenberg. Zwischendurch wechselten wir mithilfe von Pfadspuren direkt auf den Grat, welcher recht interessant zu begehen war.



Nach einigen luftigen Abschnitten und ein paar Metern Abklettern in einer kleinen Rinne (I; Foto oben) gelangten wir wiederum auf den eigentlichen Weg, der uns schließlich zum Sonnenberg (1622m) mit dem schönen Gipfelkreuz und einer wunderbaren Aussicht führte.


Blick nach Westen Richtung August-Schuster-Haus
Zwar waren wir wider Erwarten keineswegs alleine, konnten unsere wohlverdiente Brotzeit aber trotzdem in vollen Zügen genießen. Hinunter ging es dann auf der Westseite über eine ziemlich schottrige Felsrinne wieder zurück zum Weg Nr. 22/201. Irgendwann wechselt dieser auf die Südseite zum exponiertesten Teil der Tour. Hier kann man seine Schwindelfreiheit testen, denn neben dem schmalen Pfad geht es grasig, aber extrem steil bergab. Teilweise sind daher auch Seilsicherungen verlegt. Im Bild unten kommt es allerdings nicht so ausgesetzt rüber.


Kurze Zeit später gelangt man schließlich wieder in freundlicheres Gelände und erblickt nun auch das Etappenziel August-Schuster-Haus (1564m).

Zoom zum Grünstein (2661m)
Hier genossen wir eine weitere lange Pause mit Blick in die Ammergauer Alpen, und auch die Zugspitze gab sich die Ehre. Dank unserer Anreise mit dem Zug mussten wir nicht wieder nach Oberammergau zurück und stiegen daher über Weg Nr. 17 (Plattenberggrat, empfehlenswert) und zum Ende hin auf der Versorgungsstraße (im Winter Rodelbahn) ab.


Fazit der Tour: Landschaftlich sehr schön, aber ein Gratweg sieht anders aus. Meistens bewegt man sich eher in den Flanken, wobei ich auch den Weg anspruchsvoller vermutet hätte. Ein geübter Bergwanderer mit Trittsicherheit und Schwindelfreiheit wird hier sicherlich keine Probleme haben.
  • Höhenmeter: Rein rechnerisch ca. 780, durch das Auf und Ab natürlich etwas mehr
  • Zeitbedarf: Wir waren 8 Stunden unterwegs, allerdings kann man sicher 2 Stunden für Pausen und Sucherei am Zahn abziehen

Kommentare:

  1. Servus Rebecca
    schöne Tour bei gewöhnungsbedürftigen, nassen Verhältnissen (Zahn geht auch oft im Winter ab Skidepot ).
    Bild 9 zeigt nicht Wannig sondern Grünstein (Bildmitte=Hauptgipfel) mit markantem Vorderer Drachenkopf zwischen den Ski-Karen (Dachenkar/Schwärzkar) - wer genau hinsieht erkennt auch noch die Ehrwalder Sonnenspitze im "Schatten" von östlicher Marienbergspitze und ganz rechts dann WamperterSchrofen.
    Gruß
    ReinerD

    AntwortenLöschen
  2. Servus Reiner,

    danke dir! Ich war mir sicher, dass der Grünstein vom Kienjoch verdeckt wird, aber jetzt, wo ich mir die Sache genauer ansehe, kann es vom Profil her gar nicht der Wannig sein: http://www.alpen-panoramen.de/panorama.php?pid=15720&srch=sonnenberg

    Wahrscheinlich kennst du die Berge eh so gut, dass ich deiner Aussage vertrauen kann, daher ändere ich gleich die Bildunterschrift ;)

    Liebe Grüße

    Rebecca

    AntwortenLöschen
  3. Servus Rebecca ,
    Beim Bild 6 , also beim Sonnenbergkreuz sieht man Grünstein nicht sondern den Wannig aber das Zoombild hast vermutlich erst kurz vom Pürschling gemacht und da verhindert Friederspitz/Frieder
    mit einem Ostausläufer der sich ins Ammergauer Elmautal vorschiebt wieder die Sicht auf Wannig,
    gibt dafür die Sicht auf Grünstein frei. Wannig erkennst immer gut - der hat nur EIN grosses Kar
    und der Schnee geht bis zum Gipfel rauf -beliebter Frühjahrs-Frühaufsteher-Skigipfel ;-).
    Das besondere an dem Zoom-Aufnahme-Ort ist aber , dass dort mit 1500m der tiefste Gratabschnitt
    zwischen Kofel und Tegelberg ist und so kommt es an nebeligen Herbsttagen manchmal vor , dass
    am Sonnenberg längst Sonne ist , während von Norden der Flachlandnebel zwischen Pürschling
    unter Sonnenberggrat manchmal den ganzen Tag munter ein Nebelbrückenfest mit dem Süden feiert.

    Grüsse
    ReinerD
    P.S. lieb von Dir dass meiner Aussage vertraust - ich weiss das natürlich zu schätzen :-)

    AntwortenLöschen