Dienstag, 5. Mai 2015

Laberköpferl (1411m) über Reindlkante (IV, 5 SL)

Schöne, relativ einsame und trotzdem schnell erreichbare Kletterei im gemäßigten Schwierigkeitsbereich gesucht? Auch mit dem ÖPNV machbar und noch dazu mit Gipfel? Dann auf zum Laberköpferl bei Oberammergau!


Los geht's am Bahnhof, erstmal durch halb Oberammergau zur Talstation der Laber-Bergbahn. Hier folgt man zunächst dem beschilderten Weg zum Laber, bis man auf eine Forststraße trifft. Auf dieser ohne viel Höhengewinn Richtung Osten spazieren bis auf der linken Seite eine kleine Hütte auftaucht. Kurz vor dieser leitet rechts eine markante Schneise im Wald aufwärts (verblichener gelber Punkt an Baum und Pfadspuren).


Automatisch trifft man so auf eine weitere Forststraße, die auf der 2009er AV-Karte noch nicht eingezeichnet ist. Biegt man hier links ab und folgt der Straße für einige Meter, fällt auf der rechten Seite schnell ein großer Findling inklusive Steinmann auf. Dieser zeigt den weiteren Aufstieg durch den Wald an.


Auf Pfadspuren geht es steil bergauf bis sich der Wald lichtet und auf der linken Seite die Felsen des Laberköpfls auftauchen.


Man sollte aber nicht die allerersten Felsen ansteuern, sonst steht man unter der Nordwand. Die Reindlkante ist nach Westen ausgerichtet und beginnt etwas weiter oben. Hält man sich an die Pfadspuren, kann man eigentlich nicht viel falsch machen. Am Einstieg befindet sich ein Bohrhaken und ein wunderbarer Aussichts- und Brotzeitplatz (siehe Eingangsbild).

Der Einstieg

Nach einer ausgiebigen Pause machten wir uns startklar. Eine weitere Zweierseilschaft war anwesend, die uns den Vortritt ließ. Da wir zu dritt waren, konnten wir nur 30m des Seils nutzen, was aber kein Problem ist, da die Seillängen maximal bis 25m gehen. Meiner Meinung nach kommt die schwierigste Stelle (laut Topo IV-) gleich zu Beginn. Dies kann aber auch daran liegen, dass wir ziemlich kalte Finger hatten und einer der wichtigen Tritte noch nass war, sodass zumindest ich ihn nicht nutzen konnte.


Nachdem es kurz wieder leichter wird, muss man den richtigen (steilen) "Abzweig" nach links durch die Latschen finden. Quasi direkt danach kommt schon der erste Stand. Ab hier waren wir fast durchweg in der Sonne, was für den Kletterspaß ein wichtiger Faktor war. Die nächste Länge (III, 15m) stieg ich vor, wobei ich fast alle Zwischensicherungen an Latschen anbrachte - interessant, wenn man den Gurt voller Keile hat.


Seillänge Nr. 3 (IV-, 15m) ist dann wieder etwas steiler und sehr schön zu klettern.


Am interessantesten ist aber die vierte Seillänge (IV, 25m). Direkt an der Kante geht es zwar nicht steil, aber plattig und ausgesetzt aufwärts.






Bei Seillänge Nr. 5 (III) ist der Standplatz nicht so einfach zu finden. Den markanten Aufschwung, an dem man eigentlich einen Bohrhaken vermutet (und wo ich mehrere Minuten gesucht habe), muss man nämlich noch hinauf - abdrängend über einen kleinen Absatz. Auf dem Vorgipfelchen findet sich dann der gesuchte Haken. (Man kann wohl auch vorher durch das Felsenloch durch und am Baum Stand machen.) Hier endet die mit Bohrhaken (nur Standplätze!) und zwischendurch mit einigen geschlagenen Haken gesicherte Route. Will man auf den Gipfel, muss man noch ein bisschen Zeit investieren. Zwar finden sich auch im weiteren Verlauf noch einige wenige Haken, doch lohnt sich ein sichern kaum mehr. Es handelt sich eher um Gehgelände mit einzelnen Kletterstellen (bis II+/III-).

Der Weiterweg zum Gipfel (verdeckt)

Vom Vorgipfelchen geht es zunächst einige Meter hinab in eine Scharte, von wo aus man einen tollen Blick in einen Teil der Nordwand hat.


Dann links im steilen Gras hinauf bis man auf ein Band trifft, welches rechts unterhalb der Felsen vorbei führt.


Am Ende nach links abbiegen und in leichter Kraxelei zum Grat. Hier immer dem mehr oder weniger logischen Verlauf folgen - hat man sich mal verrannt, merkt man das in der Regel schnell und muss dann eben wieder zurück.






Zuletzt über steile Schrofen zum großen Kreuz.


Der Gipfel ist aufgrund seiner geringen Höhe zwar nicht mit einer Rundumsicht ausgestattet, doch stört dies überhaupt nicht, da man vermutlich immer alleine sein wird. Außerdem kann man sich auch an den Nahblicken erfreuen.


Hinab geht es schließlich über die Südseite (schrofig). Links hat man noch die Gelegenheit, es sich neben dem Kini gemütlich zu machen.


Wir mussten an dem Abend jedoch noch nach Hause, also trennten wir uns schweren Herzens wieder und gingen rechts zur Abseilstelle. Da wir eine III- (laut Topo) nicht unbedingt abklettern wollten, seilten wir ab.


Leider stellte sich unten heraus, dass sich das Seil verhakt hatte und sich nicht mehr abziehen ließ. Also wieder hinauf geklettert und festgestellt, dass es höchstens eine II+ ist, also kein Problem.


Nun entschieden wir uns dummerweise, nicht südlich Richtung Laber-Alm, sondern nordwestlich Richtung Einstieg abzusteigen.


So gelangten wir in immer steileres Waldgelände, was größte Vorsicht verlangte und damit unser Fortkommen ziemlich verlangsamte.


Wir kamen also recht spät, aber unversehrt in Oberammergau an, wo wir uns zur Feier der gelungenen Tour noch ein leckeres Eis gönnten und schließlich müde, aber zufrieden wieder nach Freising fuhren.

Vielen Dank an Daniel für die hilfreiche Beschreibung und das Topo!
  • Tourdatum: 19.04.2015
  • Zeitbedarf: Bahnhof Oberammergau - Einstieg 75 Minuten, Einstieg - Ende Kletterroute 2 Stunden (ungeübt und zu dritt), dann nochmal eine Stunde zum Gipfel (genüsslich und mit ein bisschen Suchen)
  • Höhenmeter: Gut 550 (insgesamt)

Kommentare:

  1. Glückwunsch zu der schönen Tour! Hat mich auch gleich daran erinnert, dass ich mir schon nach Daniels Bericht dacht, dass ich da auch mal hin muss. ;)

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