Dienstag, 23. Juni 2015

Kampenwand-Überschreitung (III+) mit Varianten (VI- und ?/A0)

Was für ein Kontrastprogramm: Am 25. Mai noch im Schnee gewühlt, fanden wir uns keine zwei Wochen später bei gefühlten 30°C im Schatten beim Klettern wieder. Nach einem schweißtreibenden Aufstieg vom Bahnhof Aschau und 900 Höhenmetern erreichten wir den von bereits einigen Seilschaften belagerten Einstieg der Kampenwandüberschreitung. Oder zumindest dachten wir, es sei ebensolcher, da sich bereits einige Seilschaften fertig machten. Wir stiegen also nach kurzem Warten munter ein - und stellten fest, dass das Ganze doch irgendwie schwerer war als IV+...


Nachdem ich selbst im Nachstieg in der zweiten Hälfte der Seillänge beide fest installierten Schlingen und selbst den Bohrhaken zur Fortbewegung nutzten musste, war klar: Hier hatten wir eine andere Route gewählt. (Laut späterer Recherche war es wohl der Hansenriss, wobei wir die "deutlich schwierigere" Variante gewählt haben - keine Ahnung, welche Schwierigkeit das war, die VI- des Gmelchturms war jedenfalls sehr viel genussvoller.)

Weiter ging's zum Glück in einfachem Gelände (I-II), sodass wir nicht mehr sicherten, sondern am "kurzen" (bzw. eher langen) Seil gingen.





Angekommen am Gmelchturm hieß es dann wieder: Warten. Wir entschieden uns, die optionale VI- zu versuchen, und siehe da: Zumindest im Nachstieg klappte es wunderbar und ich genoss die Ausgesetztheit und die schöne Kletterei an der Kante.




Einmal abgeseilt, und man steht wieder am Fuß des Turms, von wo aus man einen weiteren optionalen Grathöcker erklettern kann. Da ich gerne die gesamte Überschreitung machen wollte, kletterten wir auch diese nette Verschneidung (III+).


Den Teufelsturm wollte ich ebenfalls nicht auslassen, also ging es den gar nicht so leichten IIIer aufwärts.


Oben angekommen genossen wir erstmal die Aussicht, denn Katharina und Caro, die mit uns unterwegs waren und bereits den Weiterweg inspiziert hatten, gaben uns die schlechte Nachricht durch: Unten warteten mindestens vier weitere Seilschaften auf die Begehung der Schlüsselpassage (IV+)! Es war bereits kurz vor 16 Uhr, daher kamen uns langsam Zweifel, ob wir die Überschreitung noch würden zuende führen können.

Rückblick zum Westgipfel

Blick nach Norden

Blick nach Süden

Irgendwann seilten wir dann aber doch ab...


... und beratschlagten uns mit den ebenfalls wartenden Seilschaften. Da wir keine geschätzte Stunde mehr für die letzten zwei Seillängen warten wollten, überlegten wir, wie wir am schnellsten absteigen konnten. Durch die "Fluchtrinne" wollten wir auf keinen Fall gehen, denn mehrmals kamen knapp fußballgroße Felsbrocken aus der Schlüsselpassage herunter und verschwanden mit Getöse in der Rinne.

Schlüsselpassage, unterer Teil

Schlüsselpassage, oberer Teil

Da wir weiter unten eine Pfadspur ausmachen konnten, stiegen wir von der Umgehung des Teufelsturms auf einem Trampelpfad in diese Richtung ab, wobei wir noch eine, nicht ganz triviale Kletterstelle (ca. II) überwinden mussten - Caro seilte lieber ab.


Es folgte noch ein lästiger Latschenkampf, bis wir uns endlich gegen 18 Uhr Kaspressknödel auf der Steinlingalm schmecken lassen konnten.


Schade, dass es nicht mit der kompletten Überschreitung geklappt hat, aber mal eine VI- im Fels zu klettern, war schon eine coole Sache; außerdem läuft uns der Berg ja nicht davon - wir kommen wieder!
  • Tourdatum: 04.06.2015
  • Zeitbedarf: Zustieg vom Bahnhof Aschau knapp 3 Stunden (langsames Tempo), Kletterzeit laut Beschreibung ebenfalls 3 Stunden (unsere Zeit ist aufgrund des Wartens nicht repräsentativ), Abstieg ca. 2 Stunden
  • Höhenmeter: ca. 1050

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen