Dienstag, 4. Oktober 2016

Ruderhofspitze (3473m): Für die Mühen belohnt

Da geht man mittwochs abends gemütlich klettern, hält ein nettes Pläuschchen mit dem DAV-Tourenleiter, mit dem man schon am Großglockner und in den Ötztaler Alpen unterwegs war - und wird unvermittelt gefragt, ob man am Wochenende nicht mit auf Hochtour kommen möchte. Ziel? Ruderhofspitze. Hm, schon mal gehört; aber eigentlich auch egal: Wir kommen mit!


So saßen wir wenige Tage später mit Michael, Gini, Robsi, Moni, Sepp und Jonas im Bus Richtung Stubaier Alpen. Die Franz-Senn-Hütte (2147m) sollte unser Stützpunkt für die nächsten zwei Tage sein. Wir erreichten sie am späten Abend und durften es uns nach einer leckeren Portion Kasspatzn im großen Lager im Dachgeschoss gemütlich machen.

Da das Frühstück erst ab 6:30 Uhr kredenzt wird, war die Weckzeit mit kurz nach sechs human. Gegen 7:30 Uhr starteten wir - es sollte ein langer Tag werden.


Zum Warmlaufen geht's erst einmal eine dreiviertel Stunde ohne Höhengewinn taleinwärts. Nach einer Linkskurve erreicht man über eine Steilstufe ein weiteres Hochtal...


... welches den äußersten Ausläufer des Alpeiner Ferners beherbergt. Den unteren Teil begingen wir seilfrei bis zu einem Felsabsatz, auf dem wir uns niederließen und eine größere Pause einlegten.



Obwohl wir uns mit Absicht einen sonnenbeschienenen Ort ausgesucht hatten, wurde es mit der Zeit ziemlich kühl, sodass wir bald nach Anlegen der Gletschermontur in zwei Viererseilschaften weiterzogen.

Auf dem weitläufigen, flachen Becken des Alpeiner Ferners wurde es schließlich wieder wärmer und wir genossen den gemütlichen (weil flachen) Aufstieg in der imposanten Umgebung.

Wer entdeckt die zweite Seilschaft?

Nach einem weiten Linksbogen und einem kurzen, mäßig steilen Aufschwung waren sowohl der Gipfel, als auch der Südgrat deutlich auszumachen - und trotzdem noch deutlich über eine Stunde entfernt.


Gegen 12:20 Uhr erreichten wir schließlich die Obere Hölltalscharte (3247m), wo wir abermals pausierten und uns der Gletscherausrüstung entledigten.


Leider wurde die Sonne immer wieder von hartnäckigen Wolken verdeckt. Dadurch war es nicht so warm wie erhofft, andererseits wurde die Umgebung in eine ganz eigene Stimmung getaucht.


Am einfachen Südgrat (allerhöchstens ganz kurz mal II-) ging es schließlich in einer knappen Stunde gen Gipfel - die Höhe und die bereits zurückgelegten Meter machten sich bemerkbar, sodass wir nur noch langsam voran kamen.



Oben wurden wir für die Mühen allerdings reich entschädigt: Auch wenn uns die Wolken die Sicht immer wieder nahmen, war die Aussicht doch einmalig.



Eine halbe Stunde lang genossen wir es, (zumindest gefühlt) über den Dingen zu stehen. Nach dem obligatorischen Gipfel-Selbstauslöser-Gruppenbild...


... machten wir uns schließlich gegen 14 Uhr an den Abstieg - das Abendessen zu verpassen kam für uns schließlich überhaupt nicht in Frage :-)

Hinab ging's auf gleichem Weg, der in dieser Richtung zwar selbstredend um einiges weniger anstregend war, sich aber vor allem am Ende wie Kaugummi zog.

Blick zu Schwarzenbergspitze und Schrankogel, rechts der Alpeiner Ferner mit unseren Spuren

Der weitläufige Alpeiner Ferner

Tiefe Spalten im oberen Teil

Immer weiter...

... arbeiteten wir uns...

... nach unten ins Grüne.

Auslaufen im wunderschönen Tal des Alpeiner Bachs

Um kurz vor 18 Uhr - also genau rechtzeitig zum Abendessen - erreichten wir die Hütte, wo wir uns mit verschiedenen Köstlichkeiten verwöhnen und den Abend gemütlich ausklingen ließen.

Für den Folgetag kristallisierten sich derweil zwei unterschiedliche Ziele heraus: Moni, Sepp und ich beschlossen, via Nordgrat-Genusskletterei auf die Vordere Sommerwand zu steigen, während sich der Rest der Truppe an der anspruchsvollen Mittleren Kräulspitze versuchen wollte.
  • Tourdatum: Samstag, 24.09.2016
  • Höhenmeter: 1330
  • Zeitbedarf: Aufstieg knapp 5,5 Stunden, Abstieg gut 3,5 Stunden
  • Anmerkung: Häufig wird der Anstieg über das Firnfeld auf der Südseite des Gipfels der Ruderhofspitze, welches in Wirklichkeit ein spaltenreicher Gletscher ist, als Normalweg angegeben. Da der Grat sehr einfach zu begehen ist und darüber hinaus auch noch den direkteren Anstieg bedeutet, können wir uns die Beweggründe für ein Wechseln auf die Südseite nicht erklären.

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