Zwölferspitze über Nordgrat (weglos, II)
Im Urlaub mag ich ja am allerliebsten die Touren, die direkt von der Unterkunft aus starten. Wenn man dann den Berg auch noch jeden Tag vom Balkon aus sehen kann und der markante Nordgrat sogar über eine interessante Kraxelroute zu begehen ist, ist es schon fast selbstverständlich, dass ich mir das mal anschauen musste.
Die Großeltern übernahmen mal wieder den kleinen Wirbelwind und der Ehemann fuhr in den Botanischen Garten nach Innsbruck - ich machte mich also nach einem ausgiebigen zweiten Frühstück* allein auf den Weg.
Gegen halb zwölf, eineinviertel Stunden nach meinem Aufbruch, passierte ich die wunderschön gelegene Autenalm und musste mich ein wenig zusammenreißen, mich nicht einfach auf die einladende Panoramaterasse zu setzen.
Stattdessen schlug ich weiter den Weg Richtung Zwölfernieder ein. Auf einer Höhe von 1900m, kurz nach Austritt aus dem Wald, zweigt rechts ein kleines Steiglein zum Zündegg ab. Diesem folgte ich bis zum traumhaft platzierten "Gipfel"kreuz.
| Mein Gipfelziel aus der Nähe: Es geht vom linken Bildrand nach rechts hinüber auf den linken der beiden Erhebungen (man sieht sogar das große Kreuz schon ganz gut) |
Nun begann der spannende Teil. Ich hatte schon davon gelesen und es war offensichtlich, dass es nun durch eine Armada von Almrosen ging. Einen Steig gab es entgegen meiner Hoffnung leider nicht - oder ich habe ihn nicht gefunden. Obwohl die Rosen nicht hoch gewachsen waren, war es doch einigermaßen mühsam vorwärts zu kommen.
Ich war daher nicht undankbar, als es im steileren Gelände auch gleich felsiger wurde. Bis zum richtigen Nordgrat warteten aber noch ein paar eher botanische Aufschwünge.
| Auch im Rückblick kein Trampelpfad zu erkennen |
Am Grat selbst hielt ich mich schließlich so gut es ging an der Schneide - lediglich einmal wich ich in die Nordostflanke aus, da mir die Kletterstelle so ganz alleine nicht zu hundert Prozent geheuer war. Ich hatte vor über einer Stunde die letzten Menschen getroffen, und es war weit und breit auch niemand zu sehen. Das Ausweichen ging problemlos und bald war ich wieder am Grat. Prompt traf ich auch wieder auf eine der vielen Feuerschalen, die mich bereits seit dem Zündegg begleiteten - sie werden für die Herz-Jesu-Feuer genutzt, wenn am dritten Sonntag nach Pfingsten die Berge im Stubaital erleuchtet werden.
Weiter ging es nun kletternd und steigend über den Grat, wobei höchstens Stellen II zu meistern sind. In der Schlüsselstelle hängt ein Textilseil, welches ich zumindest für den ersten Zug dankend annahm - ohne wäre es tatsächlich nicht ganz einfach gewesen. Ich meine mich zudem an eine etwas ausgesetzte Stelle zu erinnern, in der auch nicht alle Blöcke gänzlich fest waren.
Als schließlich gegen 14 Uhr das Gipfelkreuz über mir auftauchte, war ich doch auch erleichtert - ich hatte mir die Tour ehrlich gesagt nicht ganz so "wild" vorgestellt.
| Rückblick - die Ernsthaftigkeit der Tour kommt auf den Fotos leider nicht so wirklich raus |
| ~2560m |
| Erhabener Blick über den vorderen Teil des Stubaitals, links die Kalkkögel, ganz hinten die Karwendel-Nordkette |
| Elfermassiv |
| Links der mächtige Habicht (3277m), hinten die Talschluss-Dreitausender, im Vordergrund der höchste Punkt der zweigipfeligen Zwölferspitze (2562m) |
Ich genoss für einen Moment die Bergeinsamkeit und den Ausblick und überlegte kurz, noch hinüber zum eigentlich höchsten Punkt zu steigen. Schweren Herzens ließ ich dies aufgrund der fortgeschrittenen Zeit (ich wollte spätestens zum Abendessen Machen zurück am Appartment sein) jedoch sein und setzte mich stattdessen noch ein paar Minuten unter`s Gipfelkreuz. Nach einer Stärkung brach ich bereits zehn Minuten später wieder auf und folgte dem nun markierten (aber auch nicht trivialen) Normalweg hinunter zum Zwölfernieder.
Auch hier entschied ich mich, nicht noch die Elferspitze anzusteuern, sondern den schnellsten Weg zurück zu nehmen. So brachte mich der wirklich mit tollen Ausblicken nicht geizende Panoramaweg in weniger als einer Stunde zur Elferhütte.
| Kirchdachspitze (2840m): Auch ein sehr hübscher Berg! |
Ab hier ging es nun schnellen Schrittes nur noch rund 200 Höhenmeter hinab zum Elferlift - dank Gästekarte sparte ich mir die letzen 800 Höhenmeter Abstieg durch den Wald.
Und gönnte mir stattdessen in Neustift noch ein leckeres Eis :-)
- Tourdatum: Freitag, 14.08.2026
- Zeitbedarf (ohne Pausen): Appartment - Autenalm gut 1 Stunde, Autenalm - Zündegg 1 Stunde, Zündegg - Zwölferspitze 1,5 Stunden, Zwölferspitze - Elferlift knapp 1,5 Stunden, gesamt 5 Stunden
- Höhenmeter: 1550 im Aufstieg, 750 im Abstieg
* Ein gemütliches zweites Frühstück im Appartment der Großeltern gab es fast an jedem der vierzehn Urlaubstage. Nach dem wirklich anstrengenden letzten Jahr tat das richtig gut - und große Ziele, für die man früh hätte aufbrechen müssen, hatten wir ja ohnehin bis auf den Wilden Freiger nicht.
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