Dienstag, 23. Juli 2013

5-Gipfel-Klettersteig im Rofan

Das geniale Sommerwetter des vergangenen Wochenendes musste einfach genutzt werden, und so verschlug es mich zum ersten Mal ins Rofangebirge, welches sich in wunderschöner Lage direkt am Achensee
befindet. Mit der Seilbahn geht es in etwa fünf Minuten 850 Höhenmeter hinauf zur Erfurter Hütte (1.834m), dem Ausgangspunkt der Tour. Da wir einen gewissen Andrang vermuteten, ließen wir den nach der klassischen Reihenfolge ersten Klettersteig, der von der Haidachstellwand hinab führt und damit
abgeklettert werden muss, aus und starteten gleich mit dem zweiten Klettersteig auf den Rosskopf (C/D). Direkt zu Beginn geht es steil und kraftraubend aufwärts (Bilder links und rechts). Zwischendurch erlauben kurze Abschnitte eine Verschnaufpause, bevor es wieder senkrecht zur Sache geht. Die Sicherungen sind vorbildlich, sodass an den heiklen Stellen keine allzu weiten Stürze zu erwarten sind (im Gegensatz zum Schuasta Gangl). Auch für das
Umklicken der Karabiner findet man fast immer eine bequeme und stabile Position. Unbedingt beachten muss man loses Gestein, ein Helm ist sowieso absolute Pflicht! Hat man den steilen Anfangsteil überwunden, geht es eher gemäßigt und zuletzt über einen sehr schönen Gipfelgrat zum höchsten Punkt (2.246m). Hier wird es
übrigens bei mehr als zehn anwesenden Personen eng; zum Glück waren entgegen unseren Befürchtungen nicht übermäßig viele Gipfelstürmer unterwegs. Nach einer kurzen Brotzeitpause nahmen wir den Normalweg mit einigen interessanten B-Passagen zu einer Scharte, wo sich der Wanderpfad mit der Routenführung des 5-Gipfel-Klettersteiges vereint. Gleich darauf trennen sich die Wege jedoch wieder und es geht zum Einstieg des Steigs zur Seerkarlspitze (Bild rechts) - meiner Meinung nach dem schönsten der von uns begangenen Steige.
Nach einer Veränderung der Routenführung am Ausstieg ist die Schwierigkeit allerdings von B/C auf D angestiegen! Die aktuelle Übersicht des gesamten Gebietes findet man auf der Seite der Rofanbahn. Gerade diese schwere Stelle ist mit etwas Klettergeschick und unter Mitnahme der Felsstrukturen jedoch sehr angenehm zu überwinden, während man gleichzeitig weiß, wie ausgesetzt man sich an der von weitem so glatt erscheinenden Wand befindet (Bild links). Oben angekommen zeigt sich der Gipfel (2.261m) wie er gegensätzlicher kaum sein könnte: Steile Felswände auf der einen Seite, sanfte Grashänge auf der anderen. Dementsprechend gemütlich geht es dann auch zunächst bergab
und über kurze gesicherte Stellen auf den nächsten Gipfel: das Spieljoch (2.236m). Hier bildet der Abstieg den Klettersteig, welcher zwar eine C-Stelle aufweist, aber durch das Abgleiten am Stahlseil keine klettertechnischen Probleme aufweist. Viel nervenaufreibender sind die extrem ausgesetzten Gratstücke, die zwar (fast) durchgehend gesichert sind, aber durch ihre steilen Abbrüche zu beiden Seiten für weiche Knie sorgen können (Bild
rechts). Nach einer kurzen Wanderung über einfache Pfade steht auch schon der letzte Klettersteig an. Auch hier geht es steil zur Sache, wobei es immer wieder Stellen gibt, bei denen ausschließlich am Fels geklettert werden kann. In meinen Augen ist der Aufstieg zum höchsten Gipfel des Rofan, dem Hochiss (2.299m), der zweitschönste der fünf bzw. vier begangenen Klettersteige. Rückblickend bin ich wirklich froh, die Herausforderung der "Kategorie D" angenommen zu haben, auch wenn der Einstieg des Rosskopf-Klettersteiges zunächst für eine gehörige Portion Skepsis sorgte.

Weil am Ende doch noch recht viel Zeit vorhanden war und um sozusagen den zu Beginn ausgelassenen Gipfel wieder gut zu machen, erwanderten wir auf dem Rückweg zur Seilbahnstation noch den Gschöllkopf (2.039m), einen
Aussichtsberg, der aber außer einer bei guter Fernsicht sicher interessanten Beinahe-360-Grad-Panoramatafel kaum etwas zu bieten hat, wenn man schon die vorherigen Gipfel erstiegen hat.


Blick auf die Dalfazer Wände vom Hochiss >>


Wunderschönes Rofan: In der Vergrößerung sieht man in der oberen Bildmitte einige Person, die gerade vom Spieljoch hinabklettern; links die Seekarlspitze, im Hintergrund mittig der Rosskopf
 

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