Montag, 6. August 2012

Südtiroler Königstour - Die Vorbereitungen



Der Ortler ist mit seinen 3905 Metern nicht nur der höchste Gipfel Südtirols sondern auch der gesamten Alpenregion Tirol und damit natürlich ein beliebtes Ziel - so auch für mich! Nachdem ich mich letztes Jahr noch nicht genügend fit und klettertechnisch erfahren fühlte, konnte ich meinen Gipfelsturm in diesem Jahr kaum abwarten. Da wir schon eine gute Woche in Sulden waren und einige Touren wie z.B. auf den Großen Angelus unternommen hatten, war ich gut akklimatisiert, zudem versprach der Wetterbericht gute Aussichten für Dienstag morgen. Beste Voraussetzungen also!


Zunächst stand aber am Montag der Aufstieg zur Payerhütte (3020m), von wo aus die Tour startet, an. Bei strahlendem Sonnenschein und natürlich viel zu warm angezogen legte ich zunächst die Strecke zur Tabarettahütte (2556m, im Bild etwas rechts von der Mitte mit blauem Dach) zurück, wo ich ausgiebig rastete und den Blick in die imposante Nordwand genoss (Bild ganz oben). Beeindruckend waren auch die zwei
Bartgeier, die elegant über unseren Köpfen ihre Kreise drehten. Um kurz vor 14 Uhr hatte ich mich aber auch daran satt gesehen, sodass ich langsam aber stetig meinen Weg fortsetzte und gegen 15:15 Uhr an der Payerhütte (Bild rechts) ankam. So früh wollte ich eigentlich gar nicht dort sein, denn der Bergführer würde sicher nicht vor 19 Uhr auftauchen. So bezog ich das gemütliche Viererzimmer, das ich mit meinen beiden Mitstreitern teilen
sollte und versuchte, ein wenig zu dösen. Irgendwie war es aber zu kalt im Zimmer, außerdem war ich nicht wirklich müde. Ich stand daher auf und stellte fest, dass es auf der sonnenbeschienenen Terasse der Hütte um ein vielfaches wärmer war, sodass man es dort gut im T-Shirt aushalten konnte. Dort lernte ich dann auch Georg, einen meiner Seilschaftskollegen,
kennen. Wir verstanden uns auf Anhieb gut und unterhielten uns eine ganze Weile (auch mit anderen Gipfelaspiranten), bis schließlich Stefan, der dritte im Bunde, auftauchte. Er passte ebenfalls super in unsere Runde, was meine Sorgen zerstreute, mit mir unsympathischen Menschen auf den Berg steigen zu müssen. Eigentlich wollten wir uns bei dem tollen Wetter etwas später schon einmal den ersten Teil des Aufstiegswegs anschauen, den wir am nächsten Morgen ja nur im Halbdunkel der
Dämmerung sehen würden. Ich drehte jedoch relativ schnell wieder um, da wir schon von der Hütte aus einige Steine sehen und vor allem hören konnten, die vom Felsen oberhalb des Pfades ins Tal sausten. Außerdem war schon fast Essenszeit, auch wenn wir uns nur schwer von der schönen Terasse und den noch
immer wärmenden Sonnenstrahlen lösen konnten. Drinnen erwartete uns ein Dreigangmenü mit Spaghetti oder Gemüsesuppe als Vorspeise, einem Schnitzel mit Kartoffeln und Bohnen als Hauptgang und einem Obstsalat als Nachspeise. Alles in allem war das Essen gar nicht schlecht, das Bier dazu ebenfalls sehr erfrischend. Einige der Anwesenden ließen es sich zudem nicht nehmen, den Nachtisch in destillierter Form zu sich zu nehmen. Ich zögerte kurz, wollte aber nicht in die Versuchung geraten, danach dann noch ein Bier
bestellen zu wollen. Auch wenn ein wenig Alkohol auf der Hütte irgendwie dazu gehört, wollte ich am nächsten Tag ja fit für König Ortler sein. Mit Toni, unserem Bergführer, der nun ebenfalls eingetroffen war, besprachen wir einige organisatorische Dinge des nächsten Tages (halb fünf Frühstück, möglichst um 5 Uhr Abmarsch), dann gingen wir noch einmal nach draußen, um uns den gigantischen Sonnenuntergang nicht entgehen zu lassen. Der Hammer! Mit riesiger Vorfreude gings schließlich so gegen 22 Uhr ins Bett, schlafen konnte ich jedoch nicht. Dies lag im Gegensatz zu so manch anderer Hüttennacht allerdings nicht an schnarchenden
Mitmenschen, sondern an den Gedanken, die mir nicht aus dem Kopf gehen wollten: Geht morgen früh alles gut und schnell über die Bühne? Werde ich genug Kraft haben? Schaffen auch meine Mitstreiter die Kletterei und den Aufstieg über den Gletscher? Was ist, wenn einer stürzt? Es ist mitnichten so, dass ich unserem Bergführer nicht hundertprozentig vertraut hätte, trotzdem besteht die Gefahr einer mittleren bis ernsthaften Verletzung an so einem Berg einfach, wenn einer der Teilnehmer der Sache nicht gewachsen ist. Kurzum, ich habe vielleicht zwei Stunden geschlafen.

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