Sonntag, 1. September 2013

Über Gletscher, Felsen und einen kleinen Firngrat

Den krönenden Abschluss meines Hohe Tauern-Urlaubs bildete die Gletschertour auf die Hohe Riffl, ein 3338m hoher Berg mit einem wunderschönen Gipfelkreuz.

Doch zunächst einmal mussten wir die Oberwalderhütte (2972m) erreichen - ein Unterfangen, das sich als fast abenteuerlicher herausstellte als die Gipfelbesteigung am folgenden Tag. Wir hatten es auf der Hüttenhomepage bereits gelesen: Der Zustieg ist aufgrund von Bauarbeiten wohl noch bis Ende der Saison 2013 gesperrt. Das Hüttenteam versicherte uns jedoch telefonisch, dass der Behelfsweg von erfahrenen Bergsteigern problemlos genutzt werden könne, also trafen wir uns am Donnerstag, den 22.08. in Winklern (Kärnten), um von dort aus gemeinsam zur Franz-Josef-Höhe zu fahren. Die Straße gehört ab Heiligenblut zur Großglockner-Hochalpenstraße und kostet daher unglaubliche 33€ Maut pro Fahrzeug. Das Parken im mehrstöckigen Parkhaus mit Glocknerblick auf 2370m ist netterweise inbegriffen. Nachdem wir unsere Ausrüstung sortiert hatten, beeilten wir uns, den Massen von internationalen Sandalentouristen so schnell
wie möglich zu entkommen - das Touribild (oben) konnten wir uns allerdings nicht verkneifen. Beim Beginn des Gamsgrubentunnels empfing uns ein nettes Schild ("Sehr geehrte Gäste, sehr geehrte Alpinisten, für die Sicherheit unserer Gäste ist es erforderlich, dass der Gamsgrubenweg eine zusätzliche Steinschlag-Schutzverbauung erhält. [...] Ausschließlich erfahrene Alpinisten können daher derzeit den Weg auf eigene Gefahr
benutzen!") und innerhalb des ersten Tunnels lotsten uns weitere Schilder (Bild rechts) zum Umgehungsweg. Teils recht ausgesetzt ging es über Bauschutt und Eisenstangen, und entlang hangelnd an Baugeräten wieder zum eigentlichen Gamsgrubenweg, der uns in gemächlicher Steigung und auf breitem Weg bis zum "schönsten Jausenplatz Österreichs" auf 2548m brachte (Bild links). Mit wunderbarem
Blick auf den Großglockner ließen wir uns hier die Gelegenheit für eine Brotzeit nicht entgehen. Der Weiterweg folgt den Markierungsstangen über Gletscherschliff bis zum (ebenfalls markierten) Südlichen Bockkarkees, über dessen Ausläufer man weiter ansteigt. Trotz einiger aperer Stellen benötigten wir keine Steigeisen, da der Gletscher hier sehr flach ist. Im steileren Teil lag dagegen so viel weicher Schnee, dass sie auch dort nicht nötig gewesen wären. Zuletzt
geht es eine steile und erdige Schuttflanke hinauf, die ebenfalls gut markiert ist. Um kurz nach fünf erreichten wir dann die fast gänzlich von Gletschern umgebene Oberwalderhütte und gingen nach dem leckeren Abendessen (Gröstl) noch einmal die Spaltenbergung durch - für den nächsten Tag sollte dies sitzen...

 Die Oberwalderhütte

Spätnachmittaglicher Blick auf Johannisberg (Bildmitte) und Hohe Riffl (ganz rechts, unauffällig)

20:39 Uhr: Fuscherkarkopf mit Mond

5:30 Uhr: Es wird langsam hell...

Um 5:10 Uhr klingelte endlich der Wecker und erlöste mich vom Wachliegen im Matratzenlager nach vielleicht zwei Stunden Schlaf. Unser
selbst mitgebrachtes Frühstück verzehrten wir im Flur der Hütte, da dort das einzige Licht brannte. Umgeben von vielen Paaren am Vortag eifrig benutzter Bergstiefel war zwar die Umgebung nicht die schönste, aber was tut man nicht alles, um möglichst
früh unterwegs zu sein und damit den angekündigten Nachmittagsgewittern aus dem Weg zu gehen. Nachdem wir am Vorabend lange über mögliche Gipfelziele diskutiert hatten, fiel die
Entscheidung nun auf die Hohe Riffl, die uns von einer ebenfalls auf der Hütte anwesenden Hochtourenkursgruppe empfohlen wurde. Um 6:30 Uhr starteten wir bei aufgehender Sonne und eisigem Wind über den Pasterzenboden Richtung Nordwesten. Die Gruppe hatte an einem der Vortage bereits eine gute Spur gelegt, welche wir gerne
nutzen. In angenehmer Steigung ging es vorbei an der steilen Nordwand des Johannis- bergs zum Ausläufer des felsigen Südgrats der Hohen Riffl (Bild oben). Hier verstauten wir das Seil und stiegen über die teils schneebedeckten Blöcke zum kleinen,
aber toll verzierten Kreuz. Da der Wind glücklicherweise nachgelassen hatte, konnten wir die sonnige Gipfelrast und das wunderbare Panorama in vollen Zügen genießen. Neben dem Großen Wiesbachhorn präsentierten sich vor allem die Venedigergruppe und die nahegelegenen Gipfel des Johannisbergs und der Bärenköpfe, imposant auch der Blick auf den ausgedehnten Pasterzenboden.

Blick nach Süden zum Johannisberg, direkt links dahinter der Großglockner und unten sowie rechts auf dem Grat unsere Aufstiegsspur
 
Blick nach Westen zur Venedigergruppe

Blick nach Osten: links der Bildmitte die Bärenköpfe, unten der Obere Pasterzenboden 

Um kurz nach zehn nahmen wir schließlich schweren Herzens den Abstieg über den Nordostgrat (Bild links) in Angriff. Nach wiederum einigen verschneiten Felspassagen konnte ich den ersten (kleinen) Firngrat unter meine Steigeisen nehmen - ein tolles Gefühl. In einer Senke seilten wir
schließlich wieder an und folgten den Spuren zurück zur Hütte, die wir gegen 12 Uhr erreichten. Auch hier war es schwer, sich loszureißen, sodass wir noch einen ganze Weile auf der Terrasse saßen, bevor wir den restlichen Abstieg antraten. Um 15 Uhr waren wir am Auto, und obwohl sich langsam schon Quellwolken gebildet hatten, gewitterte es erst gegen Abend, als ich schon wieder in meinem Quartier in Virgen war.

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