Samstag, 21. September 2013

Zweieinhalb Tage im Rätikon, Teil 2

Der zweite lange Tag unserer Hüttentour führte uns von der Douglass- zunächst in Richtung Carschinahütte. Um 8 Uhr war es noch sehr kalt und
ein kräftiger Wind bließ. Außerdem erwarteten wir aufgrund der Wettervorhersage und der dichten Wolken zumindest den einen oder anderen Regenschauer. Zu unserer Freude blieb es allerdings weitgehend trocken, nur die Wege glichen mancherorts einer Schlammpiste.
Dadurch, dass die Douglasshütte am nördlichen Rand des Lünersees liegt, muss man diesen wiederum halb umrunden, was nicht anstrengend ist, aber Zeit kostet. Danach geht es bergauf zum Gafalljoch (2239m). Schon von hier kann man erahnen, welch eindrucksvolle Landschaft einen beim Weiterweg
begleiten wird: Mehr oder weniger direkt unterhalb der senkrechten Südwände der Kirchlispitzen spaziert man leicht absteigend auf einem schmalen Wanderpfad Richtung Osten. Hier erspähte ich auch die ersten Steinböcke meiner Wanderkarriere - ein echtes Highlight dieser Tour! Das Schweizer
Tor (Bild links) passierten wir an diesem Tag auf der anderen Seite, und nun ragten die Südwände der Drusenfluh über uns empor. Wir setzten unseren Weg auf dem Rätikon-Höhenweg Süd fort, welcher uns ein wenig von den
steilen Wänden weg und in typische Murmeltierwiesen hinein führte. Während einer Pause holte ich sogar meine Sonnenbrille hervor; leider blieb es insgesamt aber bedeckt. Bis zum Abzweig Carschina-hütte/Drusentor zieht sich der Weg noch einmal, wobei man auch hier wieder tolle Einblicke diesmal in die Südabstürze der Drei Türme hat. Auch die Sulzfluh erscheint immer
mächtiger (Bild links), und man kann sich gut vorstellen, dass der Südostwand-Klettersteig viel Kraft und Ausdauer fordert. Wir hatten uns ja
eigentlich vorgenommen, noch auf der Carschina- hütte (2236m) zu übernachten und montags die Sulzfluh (2818m) zu überschreiten. Da die Vorhersage für den kommenden Tag allerdings recht schlecht war und wir nicht davon ausgingen, noch einmal so viel Glück mit dem Wetter zu
haben, entschieden wir uns dafür, doch schon sonntags nach Hause zu fahren. Zum unsicheren Wetter kam noch erschwerend hinzu, dass unser Abstieg über die Nordseite der Sulzfluh hätte geschehen müssen, von der wir aber nicht wussten, wieviel Schnee in den teils wohl steilen Geröllfeldern liegen würde. Wir wendeten uns also Richtung Drusentor (2343m), welches wir um 14 Uhr erreichten. Da von Norden schnell Wolken in die Flanke, die zur Lindauer Hütte (1744m) führt, zogen, bekam der Abstieg einen leicht mystischen Beigeschmack. Der Weg ist jedoch gut markiert, sodass die Orientierung kein Problem darstellt. An der Lindauer Hütte widerstanden wir der Versuchung, uns für einen leckeren Kaiserscharrn in die Stube zu setzen, da wir noch einmal etwa 700 Höhenmeter Abstieg nach Latschau zu bewältigen hatten, und jedem von uns noch eine nicht allzu kurze Heimreise bevorstand.

Insgesamt muss ich sagen, dass ich die Länge dieser Etappe unterschätzt habe. So wäre der Sulzfluh-Klettersteig am nächsten Tag auch bei strahlendem Sonnenschein für mich sicher kein Spaziergang gewesen. Schade wiederum ist, dass ich am gesamten Wochenende auf keinem einzigen Gipfel stand. Und auch wenn die Tour aufgrund der spektakulären Umgebung trotzdem keinesfalls vergeudete Zeit war, weiß ich doch sicher, dass ich für Drusenfluh, Sulzfluh und vielleicht auch die Drei Türme und die Kirchlispitzen wiederkommen werde!

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