Dienstag, 14. April 2015

Gefrorene Finger und White-Out an der Kuhscheibe (3188m)

Bevor es jetzt in großen Schritten auf den Frühling zugeht, wurde es bei unserer Mehrtagestour in den Stubaier Alpen noch einmal so richtig winterlich. Dank Tief "Niklas" und einer weiteren angekündigten Kaltfront war zwar bis zuletzt nicht klar, welche Touren überhaupt machbar sein würden, doch Auswahl gibt es rund um die Amberger Hütte (2135m) genug. Nach Konsultation der Wirtsleute und der anwesenden Gäste entschieden wir uns, als erste Tour am Ostermontag die Kuhscheibe anzugehen. Mit diesem Berg hatte ich ja sowieso noch eine Rechnung offen...


Gut gestärkt vom leckeren Frühstücksbuffet der Hütte starteten wir um 8:30 Uhr bei bereits leicht bewölktem Himmel. Da die Kuhscheibe am Vortag bereits bestiegen worden war, konnten wir einer gut gelegten Spur folgen, die uns zunächst über den ebenen Grund der "Sulze" führte, bald jedoch nach rechts ins steile Gelände abbog. Hier hatte ich teilweise Probleme, denn unter den ca. 20cm Pulverschnee versteckte sich eine ziemlich hart gefrorene Harschschicht, die ich ohne Neuscheeauflage nur mit Harscheisen betreten hätte. Nach Überwindung der Steilstufe geht es dann wieder durch freundlicheres, kupiertes Gelände.



Eine ganze Weile legt man so ohne viel Höhengewinn zurück. Erst nachdem man nach links Richtung Roßkarferner abgebogen ist, steilt das Gelände wieder auf. Mit vielen Spitzkehren nähert man sich dem Gletscherrest unterhalb des Gipfels, der trotz des sich langsam verschlechternden Wetters Abfahrtsfreuden aufkommen ließ.


Leider hatte auch der Wind in der Zwischenzeit zugelegt, sodass das Abfellen am abschüssigen Skidepot zu einer kniffligen Sache wurde. Nachdem die Skier rutschsicher im Schnee verstaut waren, nahmen wir den Gipfelgrat in Angriff. In leichter Kletterei (ca. I) erreicht man so in wenigen Minuten das schöne Kreuz der Kuhscheibe.


Wirklich genießen konnte ich diesen Augenblick jedoch zunächst nicht, da meine langsam wieder auftauenden Finger so sehr schmerzten, dass ich nicht einmal im Stande war, die Kamera aus der Tasche des Hüftgurtes zu holen. Der Spuk war erst nach einigen Minuten wärmen und Zähne zusammenbeißen vorbei, und schließlich konnte ich doch noch lächelnd für ein Gipfelfoto posieren.


Da sich das Wetter leider immer noch verschlechterte, machten wir uns bald an den Rückweg. Am Skidepot stiegen wir in die Bindung und fuhren durch feinsten Pulver im teils noch unverspurten Schnee das erste steile Stück ab - ein Genuss, trotz der schon müden Beine. Je weiter wir allerdings nach unten kamen, desto dichter wurden die Wolken um uns herum. Nebenbei fing es leicht an zu schneien.


Wir konnten uns anhand der Aufstiegs- und Abfahrtsspuren zwar noch orientieren, doch an genussvolles Fahren war bald nicht mehr zu denken. Mit nur wenigen Metern Sicht innerhalb einer völlig weißen Umgebung nimmt man Bodenwellen nämlich erst dann wahr, wenn man durch sie schon das Gleichgewicht verloren hat... Außerdem ging es mir einige Male so, dass ich kein Gefühl mehr dafür hatte, ob ich schon angehalten hatte oder noch über den Schnee glitt - eine abgefahrene Erfahrung. Langsam tasteten wir uns also zum letzten Steilhang, der zwar wieder mehr Konturen aufwies, aber dafür schon so zerfahren war, dass es nur noch nach dem Motto "hauptsache runter" ging. Zu den schlechten Verhältnissen war nämlich schon längst die Erschöpfung dazu gekommen. Unglaublich, wie die Kälte an den Kraftreserven nagt! Zu allem Überfluss mussten wir für das letzte flache Stück auch nochmal anfellen und uns bei heftigem Gegenwind zur Hütte kämpfen. Als wir dort gegen 14 Uhr ankamen, waren wir einfach nur noch froh und erleichtert, wieder im Warmen und Trockenen zu sein.

Wie so oft, bleibt rückblickend allerdings die Erinnerung an die schönen Momente - die schlechten Erinnerungen verblassen. Und so kann ich mit etwas Abstand sagen: Es war eine tolle Tour auf meinen ersten Ski-Dreitausender!
  • Tourdatum: 06.04.2015
  • Lawinenwarnstufe: 3 (Triebschnee in den Hängen Ost über Süd bis West)
  • Zeitbedarf: Knapp 4 Stunden für den Aufstieg
  • Höhenmeter: ca. 1100

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