Freitag, 4. September 2015

Erzherzog-Johann-Hütte (3454m) über Meletzkigrat (II bis III-)

Eigentlich hätte die Überschrift ja lauten sollen "Großglockner über Meletzkigrat". Doch leider ging es mir am Abend vor der Gipfelbesteigung so elend, dass ich am nächsten Morgen darauf verzichtete, mit den Anderen das Dach Österreichs anzusteuern. Da wir aber mit dem Meletzkigrat bereits einen spannenden Hüttenzustieg hatten, war das Wochenende keineswegs verloren.



Start war nach einer kurzen, aber sehr komfortablem Nacht im Wohnmobil am Samstag Morgen gegen 9 Uhr am Parkhaus der Franz-Josefs-Höhe (2370m). Zwar waren noch nicht viele Touris (wie beim letzten Mal) unterwegs, doch da eine Horde aufgebrezelter Sportwagenfahrer den Aussichtspunkte zustellte und einen Höllenlärm veranstaltete, suchten wir schnellstmöglich das Weite und konzentrierten uns auf die gegenüberliegende Seite, wo wir unser Ziel schon im Blick hatten:

Meletzkigrat genau in Bildmitte

Leider ist man durch die Topographie gezwungen, erst einmal ein ganzes Stück (ca. 250hm) abzusteigen - vorbei an vielen Schildern mit vergangenen Gletscherständen. Unglaublich, wie sehr sich die Pasterze in den letzten 30 Jahren zurückgezogen hat!


Zum Einlaufen geht es anschließend recht flach über die apere und mit Geröll bedeckte Gletscherzunge. Die Spalten waren gut zu sehen und ein Anseilen daher nicht nötig. Übrigens ist der Weg sehr gut mit Stangen markiert.


Sobald das Gelände etwas mehr ansteigt, wird es schuttiger. Hier sollte auch gut auf Markierungen geachtet werden - wir kamen einmal vom "Weg" ab, was uns sicherlich 15 Minuten Zeit kostete. Weiter oben geht es sich nochmals etwas komfortabler; bis zum Frühstücksplatzerl auf 2796m ist Wandern angesagt.



Während unserer Pause diskutierten wir auch den am Folgetag anstehenden Abstieg, denn der ursprünglich geplante (und oft als Normalweg angegebene) Hofmannsweg sah sehr heikel aus: Steiles Blankeis und viele offene Spalten - dass im oberen, schneebedeckten Teil keine Spur vorhanden war, wunderte uns aufgrund dessen überhaupt nicht. Wir beschlossen, bei Ankunft auf der Hütte den Wirt (und Bergführer) zu fragen.

Der Hofmannsweg würde über den linken Teil des Gletschers führen

Weiter ging es nun erstmal zum Einstieg des Meletzkigrats.





Obwohl dieser zu einem großen Teil aus Gehgelände oder leichter Blockkraxelei besteht, würzen auch immer wieder teils ausgesetzte Kletterpassagen den aussichtsreichen Aufstieg. Wir gingen komplett seilfrei; ein Sichern wäre aufgrund der angebrachten Stangen und Bohrhaken aber kein Problem gewesen.






Als wir den oberen Teil erreichten, überlegten wir kurz, auf den Gletscher zu wechseln, doch da wir dann parallel zu den Spalten gelaufen wären, verwarfen wir diese Idee gleich wieder. Wir suchten uns also den Weiterweg über die Felsen, wobei eine Stelle dabei war, die mich mehrere Versuche kostete. Vielleicht lag es am schweren Gepäck oder an der einsetzenden Erschöpfung (wir hatten nun schon deutlich mehr als 1000 Höhenmeter in den Beinen), aber ich würde die Stelle glatt mit III- bewerten. Die "landläufige" Bewertung des Meletzkigrats liegt bei II; möglicherweise wird der obere Teil des Grats bei besserer Schneelage über den Gletscher umgangen. Letztendlich war es auch nur eine ganz kurze Steilstufe.



Irgendwann war schließlich ein Ausweichen auf den Gletscher unumgänglich, sodass wir für die letzten Meter zum "Bahnhof" doch noch das Seil auspackten. Gegen 16:30 Uhr erreichten wir den Anstiegsweg zum Großglockner, der von der Adlersruhe heraufzieht.




Da wir ziemlich erschöpft waren, beließen wir es bei Variante A der Tourenplanung (Aufstieg zum Gipfel am Sonntag Morgen) und stiegen nun wieder seilfrei über die gut eingetrampelte Autobahn zur Hütte ab.



Der weitere Abend verlief für mich leider immer unangenehmer, da die auftretenden Kopfschmerzen langsam, aber sicher in Migräne übergingen und selbst eine Tablette keine Abhilfe leistete. Das Schnarchkonzert im voll besetzten Lager tat dann sein übriges um mich vom Schlafen abzuhalten. Am nächsten Morgen fühlte ich mich daher so gerädert, dass ich auf einen Gipfelversuch verzichtete. Dazu kam nämlich noch, dass eine gefühlte Hundertschaft gen Großglockner startete - darunter Leute, denen um sechs Uhr morgens einfällt, dass sie noch die Bedienungsanleitung ihrer Steigeisen lesen müssen... Ich hatte schon einiges gelesen von Leuten, die am Gipfelgrat in fremde Seile greifen, sich an anderen Menschen festhalten usw. und fühlte mich nicht in der Lage, mich unter diesen Bedingungen sicher am Berg zu bewegen.

Nachdem sich die Hütte langsam geleert und ich in Ruhe meinen zweiten Frühstückstee getrunken hatte, ging es mir etwas besser und ich beschloss, einen kleinen Fotospaziergang zu machen. Ich ging also zum Bahnhof und genoss dort die Wolkenstimmungen und die Morgensonne, die schon erstaunlich viel Kraft hatte.


Blick zu Johannisberg und Co.; das Wiesbachhorn versteckt sich noch

Rechts die Erzherzog-Johann-Hütte

Glocknerleitl

Drei Stunden nach ihrem Aufbruch kamen meine drei Tourenpartner glücklich wieder an der Hütte an - trotz des "Verkehrs" waren sie recht zügig voran gekommen. Nach einer unheimlich guttuenden Kaspressknödelsuppe ging es schließlich an den Abstieg. Da der Hüttenwirt zum Hofmannsweg nur den Kopf geschüttelt hatte und der Abstieg über den Meletzkigrat sehr lang gedauert hätte, wählten wir den Weg über die Salmhütte.

Endlich wolkenfrei: Der Großglockner um kurz nach zehn (links Stüdlgrat)

Zuerst über Schnee und Fels zur Hohenwartscharte...



... dann über einen versicherten Weg...


... geht es hinunter in freundlicheres Gelände.


Nachdem wir im versicherten Teil eine größere Gruppe überholt hatten, war uns dann auch schlagartig klar, was die beiden jungen Menschen, die abends auf der Hütte (stolz?) ihr nagelneues Klettersteigset am Gurt herumtrugen, damit wollten. Gut, die senkrechte Trittbügelleiter am Ende wäre klettersteigmäßig vielleicht mit B/C zu bewerten, aber wer auf den Großglockner will, sollte sowas meiner Meinung nach auch ohne Sicherung machen können. Aber ok, solche Begegnungen gehören wohl zur Besteigung des höchsten Gipfels Österreichs dazu - und sind ja auch unterhaltsam (solange nichts passiert).

Der Weiterweg über den Wiener Höhenweg und die Stockerscharte zieht sich schlussendlich nochmal ziemlich in die Länge, ist landschaftlich aber sehr schön.



Nach einem Kaiserschmarrn an der Großglockner Hochalpenstraße hieß es schlussendlich, dem Nationalpark Hohe Tauern nach einem ausgefüllten Wochenende Lebewohl zu sagen - freilich nicht ohne Pläne für eine Wiederkehr zu schmieden. Der Stüdlgrat ruft :)
  • Tourdatum: 21.-23.08.
  • Höhenmeter: Zur Hütte 250m bergab, 1400m bergauf, zum Gipfel zusätzlich 350hm
  • Zeitbedarf: Gut 3 Stunden vom Parkhaus zum Frühstücksplatzerl, dann nochmal 4 Stunden zur Hütte

Kommentare:

  1. Hallo Rebecca, das ist ein sehr schöner Bericht von unserer Tour. Wir waren ein echt cooles Team, nur schade, dass du wegen der Höhenkrankheit auf den Aufstieg zum Gipfel verzichten musstest, die Kraxelei hätte dir bestimmt nochmal Spaß gemacht. Es war aber die richtige Entscheidung, Respekt. LG Michael

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    1. Danke dir! Schade war es wirklich, aber der Berg läuft ja nicht weg :)

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  2. Hallo Rebecca , die letzte aus dem Team. Gratulation zu dem tollen Bericht ..Das coole Team sollte sich das neue Ziel setzen ! würde mich sehr darüber freuen. liebe Grüße Birgit

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    1. Hey Birgit, danke auch dir! Genau, das coole Team sollte sich neue Ziele stecken :)

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  3. Hey Rebecca,

    Der Meletzkigrat steht auch noch auf unserer Liste, kannst dich gerne bei uns anschließen. ;)
    Neues Jahr, neues (Berg)-Glück! ;)

    Lg
    Dani

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    1. Du meinst den Stüdlgrat? Den Meletzkigrat werde ich vielleicht in ferner Zukunft nochmal machen, aber sicher nicht in den nächsten Jahren. Dafür gibt es einfach zu viele schöne Ziele!

      Liebe Grüße

      Rebecca

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  4. Hallo Dani, den Meletzkigrat wollte ich Euch eh schon empfehlen, ist wirklich wunderschön. Wir waren dort letzten Sommer bei Traumwetter, waren natürlich wieder ziemlich langsam, es ging uns ähnlich wie Euch, Rebecca. Deswegen habne wir auch auf der Adlersruhe übernachtet, sind morgens dann auf den Gipfel (den wir uns zuerst gar nicht antun wollten, weil wir - über den herrlichen, aber viel belebteren Stüdlgrat vor Jahren - schon einmal dort oben waren. Dann sind wir aber natürlich doch hinauf, haben den massiven Verkehr auch ganz gut überlebt, und sind dann den herrlichen, langen und völlig einsamen Weg über die Salmhütte abgestiegen. Hier (https://goo.gl/photos/ncFYC1jawp6V5yzD7) gibt es eine Menge Bilder dieses Abenteuers. Dein Bericht, Rebecca, hat mich sehr daran erinnert, danke dafür.
    Lg aus Reichenhall
    Michael und Brigitte

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    1. Hallo Michael und Brigitte,

      vielen lieben Dank für den netten Kommentar. Eure Bilder sind klasse! Nur die Menschenmassen sind mal wieder erschreckend - man sieht das ja in vielen Berichten. Mal schauen, ob es für uns in zwei Wochen mit dem Stüdlgrat klappt. Hütte ist jedenfalls schon reserviert, jetzt muss nur noch das Wetter mitspielen!

      Liebe Grüße

      Rebecca

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