Freitag, 5. August 2016

Im Schneesturm am Großglockner

Schon am Vorabend ließ der Wetterbericht wenig Gutes erwarten. Schneefall war angesagt, dazu starker Wind. Trotzdem zweifelten wir nicht an der Erreichbarkeit des Gipfels und gingen voller Vorfreude ins Bett. Nach einer erholsamen Nacht im (vollbesetzten) Lager und einem üppigen Frühstück starteten wir gegen 6 Uhr.


Leider war die Sicht bereits sehr schlecht, sodass wir am Gletscher mehrmals zwischen den verschiedenen Aufstiegsspuren wechselten, bis wir schlussendlich die richtige gefunden hatten. Dass wir am Vortag die Gegend auskundschaftet hatten, kam uns hier sehr zugute, denn zwischenzeitlich beschränkte sich die Sicht auf wenige Meter im weißen Nichts.


Nach einer anstrengenden, steilen Flanke mit Neuschneeauflage und einer gefühlten Ewigkeit erreichten wir die Sicherungen im felsigen Teil unterhalb der Erzherzog-Johann-Hütte.



Es schneite und windete und uns kamen hier immer mehr Leute entgegen, die vermutlich auf der Hütte geschlafen oder die Tour aufgrund der schlechten Verhältnisse abgebrochen hatten. Mehrmals mussten wir ausweichen und warten. Das zerrte an den Nerven und gab der feuchten Kälte Gelegenheit, sich durch die Funktionsbekleidung zu beißen.


Man beachte das Eis an den Gamaschen

So waren wir heilfroh, als nach drei Stunden endlich die Erzherzog-Johann-Hütte (3454m) vor uns auftauchte.


Hier stärkten wir uns erst einmal mit einem Tee und hofften auf die Trockenleistung des eingeheizten Ofens - und vergeblich auch auf eine Wetterbesserung.


Gegen zehn Uhr waren wir das Warten leid und beschlossen, einen Gipfelversuch zu starten.

Erzherzog-Johann-Hütte Mitte Juli 2016

Es ist schon erstaunlich, wie schnell Motivation in Ernüchterung umschlagen kann. Keine zehn Meter von der Erzherzog-Johann-Hütte entfernt mussten wir leider einsehen, dass ein Weitergehen keinen Sinn machen würde. Bei Sturmböen, die einen fast auf die Knie zwingen, herumwirbelnden Eiskristallen, Neuschnee und einer Sichtweite von nur wenigen Metern wäre selbst der Normalweg auf den Großglockner wenig spaßig bis ernsthaft gefährlich geworden. Schweren Herzens entschieden wir uns daher für einen Abbruch und den Abstieg zur Stüdlhütte.




Diese erreichten wir um zwanzig nach elf - zwar mit einer gewissen Niedergeschlagenheit, aber irgendwie auch mit dem Gefühl, das Richtige getan zu haben. Denn was nutzt es, sich unter widrigsten Bedingungen auf einen Gipfel zu kämpfen, nur um oben gestanden zu haben? Es geht schließlich darum, eine gute Zeit zu haben. Und nicht, einen namhaften Berg zu bezwingen. So jedenfalls sehe ich das. Darüber hinaus läuft uns der Berg nicht davon. Nächstes Jahr (oder sogar noch im Herbst?) ergibt sich sicher wieder eine Gelegenheit, zum Großglockner zu fahren. Und dann vielleicht auch wieder das eigentliche Ziel, den Stüdlgrat, anzugehen.

Zur Belohnung für die überstandenen Strapazen gab's schließlich noch eine guuuute Kaspressknödelsuppe, bevor der Hatsch zum Auto unter die Füße genommen werden musste.
  • Tourdatum: Sonntag, 18.07.2016
  • Höhenmeter: 650
  • Zeitbedarf: 3 Stunden Aufstieg, knapp 1,5 Stunden Abstieg
  • Über den sehr schönen Meletzkigrat bin ich 2015 übrigens schon einmal zur Erzherzog-Johann-Hütte aufgestiegen. Damals verhinderte eine massive Migräne den Aufstieg zum höchsten Berg Österreichs. Ich würde sagen, alle guten Dinge sind drei...

Kommentare:

  1. Menno! Wird schon noch! Den Stüdlgrat müssen wir ja auch immer noch absolvieren... ;)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. "Müssen" ist gut ;) Wenn nicht die ewig lange Fahrerei von München/Freising immer wäre, wären wir sicher in ein paar Wochen wieder an der Stüdlhütte. Nächstes Wochenende gehts aber erstmal wieder in die Ankogelgruppe, die gescheiterte Tour von letztem Jahr nachholen :)

      Löschen
    2. Hehe, den Ankogel haben wir uns letzten Samstag auch reingezogen. Allerdings von Gastein aus. War dann ein ziemlicher Kulturschock die ganzen Leute von der Seilbahn am Gipfel zu treffen. :)
      Kommt Zeit, kommt Stüdlgrat. Wir hätten ihn mal für diesen Herbst eingeplant. Aber mal gucken ob's mich freut, hab diesen Sommer jetzt schon so unzählig viele Glocknerberichte gesehen, dass mir schon richtig die Lust vergangen ist auf diesen überlaufenen Berg. :(

      Löschen
    3. Ja, die Menschenmassen am Glockner schrecken mich auch ein wenig ab. Andererseits lohnt es sich für den Stüdlgrat bestimmt!

      Löschen
  2. Schade, dass es nicht geklappt hat! Den Fotos nach zu urteilen war Umkehren eine gute Entscheidung, es bleibt aber sicher enttäuschend für Dich, schon zum zweiten Mal dort umgekehrt zu sein. Aller guten Dinge sind drei… das sage ich mir für die Wildspitze auch… ;)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, enttäuschend war es schon, andererseits wollten wir ja eh den Stüdlgrat machen. Und für den kommen wir sicher wieder. Bei der Wildspitze hab ich noch zwei Versuche, bis ich bei der Drei angekommen bin ;) Immer positiv denken, das wird schon noch! Und solange man trotzdem eine schöne Zeit hat, ist doch eh alles in Ordnung :)

      Löschen
  3. Servus Rebecca,

    Da hätten wir uns ja fast getroffen.... Ich wollte an dem Woe ebenfalls den Großglockner besteigen, aber dann wegen des angekündigten Wetters die Tour abgesagt.....
    Wenn ich deine Bilder so betrachte, ist der Schmerz gar nicht mehr so schlimm. Naja- wie bei dir, ein ander Mal....
    Vielleicht trifft man sich ja ?!

    Vg Ameranger

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hey Ameranger,

      schade, wär sicher lustig geworden. Wobei ich leider gar nicht weiß, wie du aussiehst ;) Verpasst hast du jedenfalls nichts, wobei am Samstag schon einige Leute oben am Grat (zwischen Klein- und Großglockner) zu sehen waren. Aber der Wind war da ja schon extrem stark, sodass man den Gipfel nicht hätte genießen können. Also genau, ein anderes Mal!

      Viele Grüße

      Rebecca

      Löschen