Überschreitung der Arnspitzen (II+)

Vor einigen Wochen noch schrieb ich auf Hannes' Blog, dass ich mir die Arnspitzen-Überschreitung alleine wohl eher nicht zutrauen würde. Immer wieder ging mir die Tour seitdem durch den Kopf und schien mich nicht loslassen zu wollen. Bis ich eines Abends gefühlt sämtliche im Internet verfügbare Tourenbeschreibungen und Videos studierte und beschloss: Doch, das ist genau das richtige für mich!

Um dem Ansturm auf die Berge ein wenig zu entfliehen, nahm ich mir spontan einen Freitag frei und startete um halb sechs Richtung Gießenbach bei Scharnitz. Es sollte heiß werden.

Um kurz nach halb acht stieg ich am Parkplatz "Eppzirl" aus dem Auto, schulterte den Rucksack und machte mich auf den Weg zum "Hohen Sattel". Den eigentlich wunderschönen Aufstieg konnte ich leider nicht so recht genießen, da ständig blutdurstige Bremsen über mich herfielen. Im Stechschritt und mit wild fuchtelnden Armen brachte ich die ersten 500 Höhenmeter so schnell wie möglich hinter mich.

Etwas gestresst erreichte ich um zwanzig vor neun den Hohen Sattel. Erstmal durchschnaufen! Die Befürchtung, dass ich mich zu sehr verausgaben und die Tour wegen dieser blöden Biester nicht zuende würde führen können, verflog glücklicherweise schnell wieder. 

Entspannt ging ich nun den weiteren Anstieg zur Arnspitzhütte an, denn ich wollte die Tour von Ost nach West machen, um die wohl schöneren Kletterstellen im Aufstieg machen zu können.

Anfangs ist es noch schattig

Bald jedoch wandert man in der prallen Sonne - dank früher Tageszeit kein Problem

Tolle Aussicht schon jetzt

Blick zurück bzw. schräg nach oben: Meine Gipfelziele Arnplattenspitze (ganz links) und Mittlere Arnspitze (links der Bildmitte) - der dritte "Gipfel" rechts ist nur ein Grathöcker zwischen Mittlerer und Großer Arnspitze

Aussicht von einem wunderbaren Pausenplatz zu den Bergen bei Seefeld und ins südwestliche Karwendel

So ein Glück: Ein seltener Apollofalter lässt sich geduldig von mir ablichten

An der Hütte pausierte ich kurz. Was für ein schönes Fleckchen Erde! Alleine bis hierher lohnt sich die Tour aus landschaftlicher Sicht schon ungemein.

Der folgende Aufstieg zur Großen Arnspitze ist dann eher Pflichtübung, denn es geht steil und sonnenexponiert hinauf. Um viertel vor elf, drei Stunden nach meinem Aufbruch in Gießenbach, stand ich am ersten Gipfel des Tages.

Das Kreuz steht etwas niedriger; rechts die westlichen Ausläufer des Karwendels, hinten mittig die Soierngruppe

Geniale Aussicht ins Wetterstein

Der Arnspitzgrat

Mittlere Arnspitze: Der Aufstieg verläuft von der ganz unteren Bildmitte wenige Meter nach oben, dann das "Böse Band" querend nach links und einem Pfad durch die Latschen folgend zum Schuttfeld, in dem eine Spur erkennbar ist. Anschließend die nach rechts geneigte Rinne hinauf zur Scharte unterhalb der im Hintergrund zu sehenden Häusergruppe. Der finale Gipfelaufstieg ist auf diesem Foto nicht zu sehen.

Arnplattenspitze mit dem namensgebenden Gipfelaufbau

Wo für viele Wanderer bereits der Höhepunkt erreicht ist, fing die Tour für mich gerade erst an. Ein kleines bisschen Nervosität stieg in mir auf. Ich schob die Bedenken jedoch zur Seite, denn ich war fit, fühlte mich gut und würde die Mittlere Arnspitze, den schwierigsten Teil der Tour, zur Not ja umgehen können - ein beruhigendes Gefühl. 

Pfadspuren folgend machte ich mich daher über den anfangs noch zahmen Verbindungsgrat an den Weiterweg. 

Immer wieder stellen sich nun Grathöcker in den Weg, die ein- oder zweimal unangenehm brüchig abgeklettert werden müssen - möglicherweise habe ich aber auch nicht immer den besten Weg gefunden. Das ganze zieht sich ein wenig, aber schlussendlich landet man dann doch am Fuß der Mittleren Arnspitze. Für den Entschluss, auch diese anzugehen, brauchte ich nicht lange. Ich hatte Respekt, aber keine Angst vor dem Auf- und vor allem Abstieg auf der anderen Seite, der oft als etwas tricky - orientierungsmäßig - beschrieben wird. 

Ein steiler Zahn! - Rechts ist die Umgehung erkennbar

Ein Bergsteiger, der in Gegenrichtung unterwegs ist, quert das ausgesetzte Band

Wie erwartet (und auch in unzähligen Berichten beschrieben) ist das "Böse Band" nicht weiter tragisch - ausgesetzt zwar, aber nur sehr kurz und mit guten Griffen (die aber auf Stabilität geprüft werden sollten!). 

Schaut von hier doch gar nicht mehr so böse aus, oder?

Kurz vor dem Schuttfeld

Sehr schöne Kletterei - wenn man auf Ideallinie bleibt, ansonsten wird es schnell unangenehm

Anschließend folgt man einem Pfad durch die Latschen und das kleine Schuttfeld hinauf zu einer Rinne, die in schöner Kletterei (II+) erklommen wird.

Oben geht es dann noch ein paar Meter über weitere, aufgrund des herumliegenden losen Gesteins etwas diffizile Kraxelei auf den mit 2091m niedrigsten der drei Arnspitzgipfel. 

Leider ohne Sonne am Gipfel

Rückblick zur Großen Arnspitze: Die unangenehmen Abkletterstellen lassen sich zumindest erahnen

Ich blieb nicht lange, da ich den anspruchsvollsten Teil der Tour noch vor mir wähnte und diesen  "abhaken" wollte - es pausiert sich doch immer besser, wenn man weiß, dass keine Schwierigkeiten mehr vor einem liegen. 

Also wieder konzentriert fast bis hinunter in die Scharte wenig unterhalb des Gipfels. Von hier peilt man den latschenbewachsenen Nebengipfel an. Teils etwas heikel erreicht man diesen über eine weitere kleine Einschartung. Nun aber nicht wieder ganz rauf auf den Gupf, sondern rechtzeitig rechts abbiegen in die Flanke. Auch ich musste ein bisschen suchen, aber wenn man den richtigen "Einstieg" einmal gefunden hat, leiten Steinmänner zuverlässig bergab. 

Blick auf den Nebengipfel, in der Flanke rechts geht es hinunter

Rückblick: Ausgesetztes und steiles Gelände sollte man abkönnen

Und noch ein Rückblick in die von hier fast unersteiglich scheinende Flanke

Mit jedem Meter, den ich dem flachen Verbindungsstück zu Gipfel Nr. 3 näher kam, wich nun die Anspannung und die Vorfreude auf eine ent-spannte Gipfelrast wuchs. Für den finalen Aufschwung gab's aber erst einmal eine kleine, sonnige Stärkung.

Hier lässt es sich aushalten!

Im Aufstieg zum letzten Gipfel

Klettertechnische Schwierigkeiten warten nun nicht mehr, man muss lediglich aufpassen, in den Latschengassen nicht falsch "abzubiegen" (mir ist das sogar mehrmals passiert). Richtig schön wird es nochmal beim Endspurt.

Leider nur ein kurzes Vergnügen

So schön - warum nicht mehr davon?!

13:05 Uhr - Gipfel Nr. 3. Ziemlich genau zwei Stunden hatte ich für die Überschreitung gebraucht. Jetzt war es endlich Zeit für eine ausgiebige Gipfelrast! Tatsächlich konnte ich mich fast vierzig Minuten lang nicht losreißen.

Schon wieder alleine und die Sonne lacht :-)

Mein Tageswerk in der Rückschau - hinten das Karwendel und unten im Tal Scharnitz

Ein Nachfolger im Abstieg von der Mittleren Arnspitze (ziemlich genau in Bildmitte)

Die Arnplattenspitze ist ein genialer Aussichtsberg, hier nach Seefeld in Tirol und ins Sellrain

Hohe Munde links, rechts daneben das Wetterstein und im Vordergrund der Weißlehnkopf

Der Abstieg ist dann schnell beschrieben: Noch einmal recht steil (kratzt am IIer), dann schuttig, schließlich latschig und am Ende durch Wald und über den Hohen Sattel zurück zum Parkplatz, den ich um zwanzig vor vier mehr als zufrieden erreichte.

Blick zurück auf den Normalweg zur Arnplattenspitze

Das dürfte ein Ostalpenenzian sein - auf jeden Fall wunderschön!

Geschafft! (Auch dieser Blogeintrag - hat irgendwie viele Anläufe gebraucht, dieses Mal...)

Na gut, nur ein Fazit noch: Die Überschreitung der Arnspitzen ist eine wirklich tolle, aber stellenweise auch sehr anspruchsvolle Tour. Insbesondere der Gipfelaufbau der Mittleren Arnspitze verzeiht keine Fehler! Ist man den Schwierigkeiten jedoch gewachsen, begeistert die Bergtour vor allem landschaftlich und mit schön zu kletternden Einzelstellen.

  • Tourdatum: Freitag, 07.08.2020
  • Zeitbedarf: Parkplatz Eppzirl - Große Arnspitze knapp 3 Stunden, Große Arnspitze - Mittlere Arnspitze knapp 1 Stunde, Mittlere Arnspitze - Arnplattenspitze knapp 1 Stunde, Abstieg knapp 2 Stunden, Gesamt 7 Stunden (ohne Pausen) bzw. 8 Stunden (mit Pausen)
  • Höhenmeter: Gut 1500

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