Mittwoch, 12. November 2014

Klettern am Ulrichshörndl: Zeitgeist (III+, 11 Seillängen)

18.10.2014: Geplant war eigentlich der Westgrat der Ruchenköpfe, doch aufgrund des Bahnstreiks wollten wir auf Nummer Sicher gehen und mit dem Auto fahren. So suchten wir uns mit der Route "Zeitgeist" am Ulrichshörndl ein etwas weiter entferntes Ziel aus. Die Route ist landschaftlich sehr schön und gut abgesichert, erfordert aber einen Zustieg von rund eintausend Höhenmetern, was sicherlich einige Aspiranten abschreckt. So waren wir nicht allzu sehr verwundert, dass wir an diesem schönen Herbsttag als einzige Seilschaft unterwegs waren.


Obwohl wir bereits um 9 Uhr vom Parkplatz am Pillersee (ja, der heißt wirklich so) starteten, stiegen wir erst um kurz vor zwei in die Route ein. Warum? Weil der Einstieg nicht ganz so einfach zu finden ist - wir sind einfach dran vorbeigelaufen. Nach einiger Zeit war uns das schon klar, doch da wir noch eine andere Route im Auge hatten, die genau in dieser Richtung liegt, verfolgten wir den teilweise recht abenteuerlichen "Pfad" zu einem großen roten Punkt an einem Felsen.


Der angebrachte Haken zeigte uns an, dass wir uns hier am Einstieg einer Kletterroute befanden. Für die Route Zeitgeist hätte jedoch eine kleine Tafel vorhanden sein müssen, für die Route Astenriedlgrat zwei Bohrhaken... Doch der Anfang sah gut machbar aus, also stiegen wir ein. Bis zum ersten Zwischenhaken kam ich noch, doch dann war Schluss. Mit eisigen Händen und schwerem Rucksack war die Stelle einfach nicht machbar für mich. Nachdem auch Uli Schwierigkeiten hatte, traten wir den Rückzug an. Das hier war definitiv keine Dreierstelle! Diese aber hätte es für beide Routen gebraucht.

Blick zum Westgrat des Seehorns, an dem wir uns vergeblich versucht haben

Wir mussten also zurück. Da wir zu faul waren, die Schuhe zu wechseln, kämpften wir uns in Kletterpatschen durch wegloses Geröll, was nicht sehr angenehm war. Nachdem wir nun wirklich die Augen offen hielten, fanden wir schließlich auch den Einstieg zur "Zeitgeist". Eigentlich wäre es nicht schwer gewesen...

Einstieg der "Zeitgeist"

Reichlich verspätet stiegen wir also in die richtige Route ein. Neben schönen Kletterstellen gibt es leider auch recht viel Gehgelände. Außerdem ist sie wenig ausgesetzt, da man sich an einem relativ breiten Grat bewegt. Für den Schwierigkeitsgrad ist sie dabei sehr gut abgesichert. Zur Übung setzten wir trotzdem einige Keile, was natürlich noch einmal Zeit kostete, aber eben auch Spaß machte.








Die letzte Seillänge ab dem interessanten "Wand"buch gingen wir seilfrei. Kurz unterhalb des Kreuzes kann man es sich noch auf einer kleinen Bank gemütlich machen - eine nette Idee.


Oben angekommen machten wir erst einmal ausgiebig Brotzeit und genossen die tolle Aussicht!

Ulrichshorn/Heimkehrerkreuz (2030m)

Links Leoganger Steinberge, rechts hinten die Hohen Tauern


Kaisergebirge

Seehorn mit Westgrat

Bis ich irgendwann auf die Uhr schaute: 17 Uhr! Und das Mitte Oktober bei einem 1300 Höhenmeter umfassenden Abstieg... Wir packten also schnell zusammen und machten uns auf den Weg. Die ersten paar Meter geht es dabei aufgrund von steilem Schotter nur recht langsam voran, doch ab dem Helilandeplatz, wo wir wieder auf die Aufstiegsroute trafen, konnten wir Gas geben.


Zur Not hätten wir natürlich auch noch die Stirnlampen dabei gehabt, doch wir erreichten tatsächlich im letzten Licht das Auto.

Falls jemand Hinweise zu der Route hat, die wir fälschlicherweise erst klettern wollten, bin ich darüber sehr dankbar. Google und der Blick in diverse Kletterführer halfen mir leider nicht weiter. Die Bohrhaken sahen sehr neu aus, genauso wie der große rote Punkt. Die erste Stelle muss so ca. V sein.

Kommentare:

  1. Servus Rebecca,

    an dem roten Punkt beginnt der ' Rechte Nordwestgrat ' ... bin diesen vor vielen, vielen Jahren schon einmal geklettert. Weiß nicht mehr viel ? ... aber damals gab es jedoch noch keine Bohrhakl ! Die Route steht im AVF von 1991 drin : 7 Seillängen in den ersten beiden Längen IV Stellen Rest meist zwischen II und III // früher waren die Bewertungen noch etwas härter !!
    Gruß Daniel

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Servus Daniel,

      herzlichen Dank für die Info! Die IV fühlte sich wohl auch aufgrund der eisigen Finger und der fehlenden Erfahrung so schwer an. Und Zweifel, ob man in der richtigen Route ist, erleichtern einem die Kletterei auch nicht unbedingt. Aber vielleicht machen wir die Tour nochmal irgendwann; sie sah schon sehr schön aus!

      Liebe Grüße

      Rebecca

      Löschen