Freitag, 26. Dezember 2014

Sechs Tage in der Brenta - Teil 3/4: Sentiero Bocchette Centrali und Monte Daino (2685m)

Dass der Sentiero Centrali mit vier bis fünf Stunden der kürzeste Abschnitt unserer Brentatour sein würde, kam uns aufgrund der nicht sehr vielversprechenden Wettervorhersage entgegen. Für den Fall, dass es doch besser sein würde, hatten wir allerdings auch noch ein Gipfelziel im Auge. Start war um kurz nach sieben an der Alimontahütte. Es war bereits bewölkt, doch bis mittags sollte das Wetter einigermaßen halten.


Über den Sfulminigletscher ging es zunächst zur Bocca dei Armi (2749m).


Da der Schnee recht weich war, verzichteten wir auf die Steigeisen. Zwar sind meines Wissens nach in den Gletschern der "Normalroute" des Bocchette-Wegs keine Spalten zu erwarten, Blankeispassagen können aber durchaus vorkommen:



Von der Scharte aus geht es gleich mit einigen Leitern los.


Leider hatten wir eine größere Gruppe vor uns, sodass wir auf den ersten Metern immer wieder warten mussten. (Insgesamt muss ich aber sagen, dass ich mit die Gegend überlaufener vorgestellt habe.)


Da wir schneller waren, wurden wir dankenswerterweise nach kurzer Zeit vorbei gelassen und konnten so mit etwas Abstand zum lauten Gebrabbel der Gruppe die berühmten Brentabänder in der Stille des Nebels genießen.




Dieser hatte sich schon so früh gebildet, dass wir von der Umgebung leider nicht mehr so viel mitbekamen.



Auch wenn es auf diesen Bildern vielleicht nicht so aussieht: Man kann sich selbst in den nicht versicherten Passagen - von denen es einige gibt - nur schwer verlaufen. Die Markierung ist durchwegs sehr gut. Der Zustand der Steighilfen dagegen nicht immer...


Höhepunkt des Sentiero Centrali ist neben den ausgeprägten Brentabändern der Anblick der "Guglia", einer mehrere hundert Meter hohen Felsnadel von beeindruckender Steilheit. Wir konnten sie leider nur erahnen, als wir schon direkt neben ihr standen.



Etwas später zeigte sie sich dann für einen kurzen Moment in ihrer Gänze, wurde schnell jedoch wieder vom Nebel verschluckt.


Weiter ging es nun unschwierig über weitere ausgesetzte Bänder...




... zur Bocca di Brenta (2552m). Hier bestätigte sich unsere Befürchtung, dass wir noch vor Mittag an der Tosa-/Pedrotti-Hütte (2491m) sein würden.


Diese erreichten wir tatsächlich um kurz nach elf. Und guess what? Es fing sofort an zu regnen. Schöne Aussichten also für den Rest des Tages...


Gegen 13 Uhr klarte es jedoch zu unserer Freude noch einmal auf, sodass wir uns gleich mit leichtem Gepäck zum Monte Daino (2685m) aufmachten. Dazu folgt man zunächst einem markierten Pfad Richtung Tal, bis ein Hinweis nach links führt (Aufschrift "Monte Daino" auf Stein). Der Weiterweg ist nun lediglich mit Steinmännern markiert, welche aber gut zu finden sind.


Durch wirklich wunderschönes und einsames Gelände führt der gut ausgetretene Pfad nur sanft ansteigend in ein großes Kar, garniert mit einigen Murmeltier- und Gämsensichtungen.



Hier weicht das Gras langsam dem Fels und der Anstieg wird steiler, schuttiger und mühsamer. Auch die Wegfindung wird schwieriger, da Pfadspuren nur noch vereinzelt vorhanden sind. Anhand der Steinmänner und der Karte ergibt sich aber eine logische Wegführung zu einer Scharte (Bild unten: tiefster Punkt; der Monte Daino liegt links).


Über einen Gras-/Schrofengrat geht es die letzten Meter bis zum höchsten Punkt.



Etwa eine Stunde braucht man trotz des geringen Höhenunterschieds bis zum Gipfel, wobei wir uns nicht ganz sicher sind, ob wir wirklich auf dem Hauptgipfel waren. Da ich mal wieder Schiss vor dem Wetter hatte, stiegen wir schnell ab und erreichten die Hütte wiederum eine Stunde später mit dem nächsten Regen.




Der Abend war lang und die Ungewissheit ob des nächsten Tages groß. Mit der schönen Abendstimmung keimte aber schließlich die Hoffnung wieder auf, am Folgetag doch noch den hochalpinsten Teil des Bocchette-Wegs begehen zu können.


  • Zeitbedarf: 4 Stunden von der Alimonta- zur Tosa-/Pedrotti-Hütte inkl. Pausen. Monte Daino 2 Stunden hin und zurück (auch inkl. Pausen, wobei wir nicht viele gemacht haben)
  • Höhenmeter: Ganz grob 400 von Hütte zu Hütte, 200 zum Monte Daino (nur Aufstieg)
  • Schwierigkeit: Der Klettersteig geht nicht über Kategorie B hinaus, die schwierigsten Stellen sind im Grunde die senkrechten Leitern. Es gibt einige längere ungesicherte Stellen, für welche Trittsicherheit wichtig ist. Der Anstieg zum Monte Daino verlangt Gehen im weglosen und ganz oben auch ausgesetzten Gelände.


Kommentare:

  1. Wow,

    wirklich schöne Bilder! Da hat es ja noch kaum Schnee....Du hast mich inspiriert, das nächstes Jahr auch zu machen!

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  2. Hi Daniel,

    wir sind die Tour Mitte September gegangen, da hatte es wirklich kaum Schnee. Man kann es aber natürlich auch anders erwischen, denn auf 3000m kann es ja selbst im August Neuschnee geben. Die Tour ist aber wirklich unbedingt zu empfehlen! So mittendrin zu sein in dieser imposanten Umgebung ist echt ein Erlebnis! Freut mich, dass ich dich inspirieren konnte :)

    Rebecca

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