Mittwoch, 28. Januar 2015

Einsame Nebelskitour zum Wank (1780m)

Oder: Warum es sich manchmal doch lohnt, die Skier 400 Höhenmeter zu tragen.


Mit wenig Schnee hatte ich ja gerechnet, aber so wenig? Beim Start der Tour am ziemlich schneefreien Parkplatz der geschlossenen Wankbahn (Bus von Garmisch-Partenkirchen) war klar: Da geht erstmal nichts. So schulterten wir die Skier und machten uns erst einmal zu Fuß auf den Weg. An der Daxkapelle kamen uns drei schlechtgelaunte Skitourengeher entgegen, die auf halber Strecke aufgegeben hatten und uns ebenfalls eine Umkehr empfohlen. Viel zu wenig Schnee, so die Aussage. Wir ließen uns jedoch nicht entmutigen, zumal ich noch Hoffnungen hatte, dass zumindest die aufgelassene Piste (= Nordhang) schön zu fahren sein würde.

Nachdem wir gute anderthalb Stunden getragen hatten, konnten wir kurz vor der Esterbergalm endlich anfellen.


Wenige Minuten darauf erreichten wir den Nordhang und beäugten die Schneelage mit kritischem Blick.


Zumindest im unteren Teil würden wir bei der Abfahrt auf herausschauende Bäumchen und Steine achten müssen.


Weiter oben gab es allerdings zwischen den schon ordentlich zerfahrenen Bereichen noch schönen Pulverschnee, sodass wieder leise Vorfreude aufkeimte.

Nur die Sonne hatte sich noch nicht blicken lassen, trotz versprochener vier Stunden Sonnenscheindauer. Am weitläufigen Südostrücken wurde der Nebel sogar noch dichter, und hier war auch der Schnee wieder schlechter.


Gegen halb zwei erreichten wir das Wankhaus, wo wir uns Speckknödel mit Kraut und ein Helles gönnten. In der sonst sicher heillos überfüllten Stube saßen außer uns nur ein paar wenige Menschen - es gibt wohl nicht viele Wochenendtage, an denen man zur Essensausgabe hier nicht warten muss. Somit hatte das schlechte Wetter doch auch was Gutes.

Links Bergstation, rechts Wankhaus (DAV-Hütte)

Traumhafter Blick ins Wetterstein...

Gipfelkreuz Wank

Einige Male sah es sogar fast so aus, als würde sich die Sonne doch noch durchsetzen, doch blieb dies leider eine unerfüllte Hoffnung. Im Gegenteil: Auf den ersten Metern der Abfahrt (glücklicherweise im flachen Bereich) konnten wir uns lediglich an den Markierungsstangen orientieren, wobei das größere Problem eigentlich die schlechten Konturen des schneeigen Untergrundes war. Es ist wirklich kein Spaß, beim Schwungansatz nicht herum zu kommen, weil man im harten, zerfahrenen Schnee bzw. in einer sehr ausgeprägten Spurrille hängen bleibt.


Ich hoffte daher inständig, dass wir im steileren Bereich der ehemaligen Piste bessere Sicht haben würden, und tatsächlich: Sogar die Esterbergalm war zu sehen.


Die nun folgende Abfahrt entschädigte dann wie wir gehofft hatten wahrlich für die Mühen des (erschwerten) Aufstiegs! Immer wieder konnten wir wunderbaren Pulver genießen und unsere Schwünge in unberührten Schnee zaubern.






Mit ein bißchen Anschieben ging es dank der planierten Spur sogar bis zur Alm, wo wir mit Nuss- und Himbeerschnaps auf unsere Beharrlichkeit und die Belohnung dafür anstießen.

Nach einigen Tragemetern (Gegensteigung) fuhren wir erst vorsichtig am Rand des Forstweges ab, bevor wir auf dem letzten Stück noch einmal etwas mehr Schnee in einer Waldschneise hatten. Dann allerdings war der spaßige Teil endgültig vorbei - bis zur Talstation war wieder Tragen angesagt.
  • Zeitbedarf: 3,5 Stunden Aufstieg
  • Höhenmeter: gut 1000
  • Lawinenwarnstufe: 1

Kommentare:

  1. Da habt Ihr ja tapfer durchgehalten! Wir waren angesichts der Schneearmut lieber zu Fuß unterwegs, zufällig direkt gegenüber am Kramer (http://www.deichjodler.com/2015/01/durch-den-winterwunderwald/). Ein bisschen gefehlt hat uns das Abfahren aber doch. ;-)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hey, das wäre ja witzig gewesen, wenn wir uns in Garmisch getroffen hätten! Für mich gehts im Moment wirklich nur mit Skiern raus, nachdem ich langsam merke, wie ich sicherer werde. Da trage ich die Dinger lieber anderthalb Stunden den Berg rauf, bevor ich aufs Abfahren verzichte ;)

      Löschen
  2. Klarer Fall: hier hat nur eine App zuverlässig funktioniert ,die legendäre "Esterbergalm-Stamperl-App" .
    Andere Apps, wie die zuverlässige "frag vorher die Anwohner-Schneelage-App" wurden erst gar nicht aktiviert ,-)

    Allgemein: bei geringer Schneelage im Tal , besser von Farchant los, ab Bahnhof 10min gen Warmfreibad tragen , am linken Rand der Skipiste aufsteigen, links hinterm Lifthäuserl hoch bis zum Hauptpfad ,(ca 20min, ab dort meist gespurt, dennoch besser die Ski tragen) und weiter zum Wank-Fahrweg. Kurz danach VOR dem Bankerl links in Ziehweg (bis hier kann meist abgefahren werden) und über die Wiese hoch wieder zum Fahrweg (hierbei wird die steile Doppelkurve umgangen) , ab hier wie gewohnt. Abstieg/Abfahrt wie Aufstieg, mit dem Unterschied, dass man am Ende noch eine Kurzabfahrt über die kleine Skipiste hat.
    Sonne gabs leider am Sa (24.) nur über 2100m (s. Zugspitzwebcam-Archiv 24.01.2015 14Uhr)
    Aktuell: ca.25cm Schnee im Tal - beste Verhältnisse , tendenz steigend,-)
    Vorausgesetzt, die natürliche Stamperl-Begrenzungs-App wurde rechtzeitig aktiviert, geht die Abfahrt auch bei längerem Einkehrschwung in der gemütlichen Esterbergalm, mit Stirnlampe bestens.
    Gruss aus GAP
    ReinerD



    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Tja, die Einheimischen-App hab ich leider nicht installiert, die Stamperl-App hat dafür aber umso besser funktioniert ;) Wir hätten auch mit dem Anstieg bzw. der Abfahrt nach Farchant tragen müssen, aber trotzdem danke für den Tipp! Das mit der Sonne hab ich mir schon gedacht, wir waren am Gipfel ja genau in den Wolken drin. Morgen gehts wieder auf Tour, allerdings wahrscheinlich nur zur Brecherspitz, weil ich erkältungsmäßig etwas angeschlagen bin. Aber DEN Neuschnee mag ich mir nicht entgehen lassen :)

      Löschen