Donnerstag, 14. September 2017

Zweiter Versuch Kräulspitze - Gipfel auf Umwegen

Vergangenes Jahr als "Kann man am Sonntag ja vor dem Hüttenabstieg noch machen"-Tour aufgrund von Zeitmangel nicht erreicht, stieg die Mittlere Kräulspitze dieses Jahr zur Haupttour eines Wochenendes mit dem DAV Freising auf der Franz-Senn-Hütte auf. Während beim ersten Versuch neben der fehlenden Zeit auch der viele Schnee für den Tourabbruch verantwortlich war, sorgte diesmal die fortgeschrittene Ausaperung für Probleme.


Dass es wahrlich nicht leicht werden würde, war bereits auf den Fotos der aktuellen Bedingungen der Hütte zu erkennen. Doch wir wollten es zumindest probieren. Und so fanden wir uns Freitag Abend mal wieder im Oberbergtal wieder. Einigermaßen schnellen Schrittes brachten wir den Hüttenzustieg hinter uns und bekamen zur Belohnung noch ein (großzügiges) Abendmenü kredenzt.


Nächster Tag, 7 Uhr: Aufgrund der nachmittäglichen Gewittergefahr starteten wir früh, zunächst auf markiertem Pfad Richtung Sommerwandferner.


Leider fühlte ich mich ziemlich schlapp und merkte, wie bereits beim Zustieg zur Tour die Beine schwer wurden und die Kraft nachließ.


Da der Gletscher keine Schneeauflage aufwies, wäre ein (alleiniges) Umkehren jederzeit möglich gewesen, daher ging ich noch ein paar Schritte mit. Schnell war jedoch klar: Bei meinem Tempo wäre ich den anderen nur eine Last; zudem sah der obere Teil des Gletschers nicht gerade einladend aus. Steileis, ein möglicherweise nahezu unüberwindbarer Bergschrund und viel loses Geröll - mit wackligen Beinen kein Gelände, in das man sich freiwillig begeben sollte.



Die anderen wollten sich - verständlicherweise - so schnell jedoch nicht geschlagen geben. Ich machte es mir auf einem großen Felsen gemütlich und verfolgte ihren Weiterweg. Zunächst ein Versuch im felsigen Aufschwung links des Bergschrunds. Vergeblich. Also doch nach rechts ins Steileis. Eine gefühlte Ewigkeit ging es nur Meter um Meter vorwärts. Kurz bevor es mir schließlich endgültig zu kalt wurde, traten die drei den Abstieg an. Was ich nicht mitbekommen hatte: Theresa war im Steileis gestürzt, Michael fast von einem Felsbrocken erschlagen worden. Mannomann, beides anscheinend gerade einmal so gut gegangen...

Versuch am Fels

Versuch im Steileis weiter rechts

Bild von Michael - aufgenommen am Bergschrund mit Blick zum Gipfel

Wir hatten verabredet, dass wir bei einem Scheitern an der Mittleren Kräulspitze noch die Innere Sommerwand, immerhin auch ein 3000er mit Kraxeleinlagen, angehen wollten, sollte es sich zeitlich ausgehen. Da es erst kurz vor 11 Uhr war und sich Theresa und Michael trotz ihrer Blessuren fit fühlten, machten wir uns also auf den Weg. Wir querten den Gletscher und steuerten den felsigen Durchschlupf zum Südgrat an. Das angebrachte Seil hätten wir nicht unbedingt benötigt, für die weiter oben in regelmäßigen Abständen angebrachten Bohrhaken waren wir zwecks schneller Orientierung dankbar.



Um viertel vor zwölf erreichten wir den Gipfel. Schön hier oben, das hatte sich wirklich noch gelohnt!

3122m

Blick zum Alpeiner Ferner, der zur Ruderhofspitze führt

Mittlere Kräulspitze

Nach einer ausgiebigen Rast kraxelten wir auf gleichem Weg wieder zurück zum Sommerwandferner und steuerten von dort den Wanderweg zur Hütte an.


Der riesige Felsblock am Wegesrand kam dabei wie gerufen: Von Gewitter noch keine Spur, weiter unten nur die Aussicht auf eine übervolle Hütte - wir ließen uns daher noch einmal nieder und gönnten uns ein sonniges Nickerchen. Was für eine Wohltat!


"Raupi"

Irgendwann nahmen die Wolken dann aber doch Überhand. Gegen 16 Uhr waren wir somit wieder an der Hütte und hatten sogar noch Zeit, einen Apfelstrudel auf der Terrasse zu genießen. Andere hatten da weniger Glück. Nachdem es kurze Zeit später wie aus Eimern goss und fast ununterbrochen blitzte, kamen noch immer Leute auf der Hütte an - triefnass und teils sichtlich mitgenommen.

Dass wir am nächsten Tag auch noch vor verdammt dunklen Wolken zittern würden, ahnten wir zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht...

  • Tourdatum: Samstag, 26.08.2017
  • Zeitbedarf und Höhenmeter (direkte Tour auf die Innere Sommerwand): 5-7 Stunden, 1000 Höhenmeter

Kommentare:

  1. Und ich dachte jetzt seh ich endlich mal wie man da eigentlich hochkommt. Naja, dann eben naechstes Jahr ;)

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    1. Servus Jonas, da muss dich leider enttäuschen. Aber alle guten Dinge sind Drei, oder? :-)

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    2. Muss wohl, dann also bis spaetestens naechstes Jahr an der Kraeulspitze ;)

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    3. Bin gespannt, ob der Michael da im dritten Jahr in Folge noch Lust drauf hat :-P

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    4. Ach der will bestimmt auch wissen wie es da oben aussieht. Im Zweifel muessen wir es eben selbst organisieren ;)

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