Sonntag, 8. September 2019

Lechtaler Alpen alpin (1/5): Kogelseespitze (2647m) - Überschreitung via Nordostgrat (I)

Wie viel Glück kann man eigentlich haben?! Schon vor Monaten hatten Katharina und ich die Tour geplant und festgelegt: Fünf Tage durch die Lechtaler Alpen, mit mindestens einem mehr oder weniger anspruchsvollen Gipfel pro Tag. Und was soll ich sagen? Es ging zu 100 % auf!


Tag 1: Anfahrt von Freising über München nach Gramais. Halb sieben ging's los, damit waren wir gegen halb elf am Ausgangspunkt. An scheinbar niegelnagelneuen Parkplatz waren zwar Schilder mit dem Hinweis, dass das Parken pro Tag 2 € kosten soll, aufgestellt. Einen Automaten oder jemanden, der uns das Geld hätte abnehmen können, suchten wir aber vergebens. Also hielten wir es wie unser Parknachbar: Zettel mit Ankunfts- und Abreisedatum ins Fenster und ab dafür. (Spoiler: Schien niemanden zu interessieren, wir haben nichts gezahlt ;-) )


Nachdem wir uns an den Schwarznasenschafen satt gesehen hatten, machten wir uns an den Aufstieg. Wie angekündigt hingen die Wolken tief und die Sonne hielt sich bedeckt. Uns war dies erst einmal recht, da es gleich zu Beginn ziemlich steil durch Latschen immer weiter, schier endlos, bergauf geht. Und es sollte ja zum Abend hin besser werden...



Am Kogelsee - 800 Höhenmeter hatten wir hier bereits hinter uns - pausierten wir kurz und hofften, dass sich die Sonne doch bald durchsetzen würde. Denn wir hatten geplant, über den nur schwach markierten Nordostgrat in leichter Kletterei auf den Gipfel der Kogelseespitze zu steigen.


Da wir in der feuchten Umgebung schnell auskühlten, setzten wir jedoch bald unseren Aufstieg fort. Auf gutem Weg (wenn auch manchmal steil) erreichten wir gegen 13:45 Uhr die Kogelseescharte. Hoffnung keimte auf, da über uns immer wieder Wolkenlücken entstanden. So richtig besser wurde die Sicht allerdings nicht - und so entschieden wir, es einfach zu versuchen. Wenige Höhenmeter unterhalb der Scharte (also quasi noch im Anstieg zu ebendieser) war das Gelände etwas flacher, hier vermuteten wir den Abzweig. Und siehe da: Ein paar Meter Nebelgestocher, dann der Felsen mit der Aufschrift "KSp". Hier waren wir richtig!



Gut gelaunt machten wir uns an den weiteren Aufstieg, zunächst eine bröselige, aber gutmütige Rinne hinauf. Wenige Minuten später dann wieder die Unsicherheit: Wo geht's weiter? Rote Punkte waren nicht zu sehen. Blöderweise entschieden wir uns, nicht dem ersten Gefühl nach dem Weiterweg nachzugeben, sondern uns nach rechts zu wenden, wo das Gelände ebenfalls gangbar schien. Recht schnell war jedoch klar, dass es hier zu schwierig und vor allem zu brüchig werden würde.


Also querten wir wieder nach links, wo uns prompt ein roter Punkt in Empfang nahm. Im weiteren Verlauf war die Orientierung dann kein Problem mehr, und auch die Kraxelei hielt sich schwierigkeitsmäßig in Grenzen. Entspannt stiegen wir höher - bis es nach und nach über unseren Köpfen heller wurde und schlussendlich tatsächlich die Wolken Sonne und blauem Himmel Platz machten. Also doch noch! Mit einem fetten Grinsen zückten wir die Kameras und sogen die einzigartige Stimmung auf.




Auch das Kreuz war bereits zu sehen. Die letzten Meter auf dem breiten Grat brachten wir beschwingt hinter uns...


... und als ob uns das Schicksal für das Nebelgestocher entschädigen wollte: Keine fünf Minuten nach unserer Ankunft stieg die kurz vor uns angekommene Wandergruppe ab, sodass wir den Gipfel für uns allein hatten.


Brotzeit, Fotos, Sonne tanken, die Aussicht genießen: Was gibt es Schöneres, besonders nach einem so trüben Aufstieg! Und dazu die Gewissheit, dass beim Abstieg weder Hindernisse und Schwierigkeiten auf einen warten und man ja eh nur bis zur Hütte muss - entspannter kann eine Gipfelrast eigentlich nicht ausfallen.





So sehr man sich auch bemüht, irgendwann kann man jedoch nicht mehr leugnen, dass die Zeit für den Aufbruch gekommen ist. Also packten wir unsere Sachen zusammen und machten uns gegen 16 Uhr auf den Weg zur Hanauer Hütte. Keine einhundert Höhenmeter unterhalb des Gipfels tauchten wir wieder in die Nebelsuppe ein - und verließen diese für den restlichen Tag nicht mehr.


Unserer Stimmung konnte dies jedoch keinen Abbruch mehr tun. Denn die Wettervorhersage für den nächsten Tag war phänomenal - genauso wie die Kasspatzn ;-)

  • Tourdatum: Mittwoch, 21.08.2019
  • Zeitbedarf: Gramais - Kogelsee 2 Stunden, Kogelsee - Kogelseespitze ca. 2 Stunden, Abstieg knapp 1,5 Stunden, Gesamt 5,5 Stunden (ohne Pausen und ohne Abstecher zur Kogelseescharte)
  • Höhenmeter: Gut 1300 im Aufstieg, 725 im Abstieg

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