Donnerstag, 19. September 2019

Lechtaler Alpen alpin (2/5): Genussbergsteigen auf die Große Schlenkerspitze (2827m)

Eigentlich hatten wir ja den überaus attraktiven Ostgrat auf die Plattigspitze im Sinn gehabt. Nach einem Gespräch mit dem Wirt der Hanauer Hütte waren wir uns jedoch nicht sicher, ob die Kletterei (die Angaben schwanken zwischen II+ und III+) ohne Seil nicht doch zu heikel sein würde. Also nahmen wir die Große Schlenkerspitze - ebenfalls mit Kletterstellen bis II - ins Visier.


Mit einem kurzzeitig noch einmal sehnsüchtigen Blick auf die Plattigspitze...

Ostgrat rechts

... verließen wir um kurz vor acht die Hütte. Was für ein herrlicher Morgen!

Parzinnspitze, einer unser Gipfel an Tag 4

Zunächst hieß das Ziel Galtseitenjoch. In entspannten anderthalb Stunden - lediglich der teils arg lehmig-rutschige Weg erforderte ein wenig Aufmerksamkeit - brachten wir diesen Zustieg hinter uns.


Nach einem netten Plausch mit einer Familie, die die Durchquerung der Lechtaler Alpen mit dem Zelt planten, wandten wir den Blick gen Süden: Der Gipfel der Großen Schlenkerspitze war bereits zu sehen, zunächst einmal lag jedoch noch ein zwar wegloses, aber bereits hier gut mit Steinmännern markiertes und bis auf wenige Stellen harmloses Stückchen über den langgezogenen Nordrücken des Berges vor uns.


Gegen Ende steilt das Gelände auf...


... und die erste Schlüsselstelle (II/II+) ist zu überwinden: In einem kurzen, engen Kamin geht es ca. zwei Meter hinunter; eine vorhandene Bandschlinge kann helfen, wenn die eigene Stütztechnik nicht ausreicht oder man sich mit den am Rucksack angebrachten Stöcken am Fels verfängt...


Anschließend kann man entweder noch einige weitere Meter absteigen oder auf Kurs bleiben und eine zweite, etwas kniffligere Stelle (II+) abklettern. So oder so erreicht man die "schwarze Rinne", über die man recht mühsam eine kleine Scharte mit Steinmann erreicht.


Von hier folgt man immer weiter brav den vorbildlich platzierten Steinmännern und erreicht schließlich - mal gehend, mal steigend, mal kraxelnd - den Vorgipfel.



Will man auch diesen besteigen, geht es erst noch einmal einige Meter bergab. Der Wiederanstieg wird meist als zweite Schlüsselstelle angesehen. Wie so oft löst sich das Ganz bei näherer Betrachtung jedoch gut auf und es geht steil, aber wohlwollend gestuft in (nicht überall bombenfester!) IIer-Kletterei hinauf zum Kreuz.


Glück und auch ein wenig Stolz machte sich breit, als uns klar wurde, dass wir diesen doch eher anspruchsvollen Berg im Grunde ohne Schwierigkeiten erklommen hatten. Im Gegenteil: Wir hatten den Aufstieg sogar sehr genossen und machten uns auch um den Abstieg keine Sorgen - ein sehr entspannendes Gefühl.



Da wir jedoch auch die Reichspitze (Bild oben) an diesem herrlichen Tag noch "einsacken" wollten, blieben wir nicht allzu lang. Auf gleichem Weg ging es hinab...




... und vom Galtseitenjoch gleich wieder hinauf.


Beim Schlussanstieg war noch einmal kräftiges zupacken erforderlich, denn trotz der angebrachten Seile waren die Kletterstellen doch erstaunlich anspruchsvoll.



Um kurz vor zwei erreichten wir schließlich den zweiten Gipfel des Tages - und waren ein weiteres Mal alleine am höchsten Punkt.


Insbesondere der Blick zur Schlenkerspitze, ...


... aber auch die weiteren Fernblicke waren die zusätzlichen 150 Höhenmeter absolut wert.




Was für ein erfolgreicher Tag! Doch irgendwann muss es ja wieder zurück zur Hütte gehen. Also erstmal retour zum Galtseitenjoch - wie schön es doch auch hier ist! Und dieser Stein, lädt irgendwie total zum Verweilen ein...


In Bildmitte die Kogelseespitze (Tag 1)

Tatsächlich blieben wir noch einmal eine gute halbe Stunde, bevor wir den endgültigen Abstieg in Angriff nahmen. Und nicht nur wegen der Aussicht lohnte sich der erneute Stopp: Ein majestätischer Steinadler ließ sich während unserer Pause von der Thermik in die Höhe tragen und kam uns dabei so nahe, dass ich ihn auch ohne Fernglas sicher bestimmen konnte.


Und sogar noch einen Vorteil hatte die zusätzliche Pause: Um 17 Uhr kamen wir wieder an der Hütte an, verräumten unsere Sachen und konnten nach einer Katzenwäsche gleich zum Abendessen übergehen - besser geht's eigentlich nicht!

Unser Gipfelziel des Folgetages: Die formvollendete Dremelspitz (2733m)

  • Tourdatum: Donnerstag, 22.08.2019
  • Zeitbedarf (ohne Pausen): Hanauer Hütte - Galtseitenjoch 1,5 Stunden, Galtseitenjoch - Große Schlenkerspitze gut 1,5 Stunden, Abstieg zum Joch nochmal 1,5 Stunden, Galtseitenjoch - Reichspitze 45 Minuten, Abstieg 2 Stunden, Gesamt gut 7 Stunden
  • Höhenmeter: 905 auf die Schlenkerspitze, mit Reichspitze gut 1050

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