Sonntag, 3. August 2014

Im Reich König Laurins: Überschreitung der Rotwand (2806m)

Kurztrip nach Südtirol! Für welchen Bergsteiger klingt das nicht wie Musik in den Ohren? Zugegeben, ein längerer Urlaub wäre noch schöner gewesen, aber wir haben die paar Tage wirklich gut genutzt. Donnerstag Abend kam ich an, Freitag (18.07.) gings gleich in den Rosengarten und auf die formschöne Rotwand.


Von der Bergstation des Paolinaliftes (2125m) startet die Tour als Höhenwanderung zunächst westlich an der Rotwand vorbei - mit schönen Blicken zum Latemargebirge und Richtung Bozen.


Nach einiger Zeit wird es dann schlagartig steiler und der Weg windet sich in Serpentinen hinauf zum Vajolonpass (2560m). Hier war noch ein recht großes Schneefeld zu queren, was jedoch unkritisch war, da man sich hier - anders als von unten angenommen - nicht im Absturzgelände befindet.


Oben angekommen präsentiert sich die Umgebung wie man es sich von den "bleichen Bergen" vorstellt, ein Genuss!


Mein Ziel für Ende August: Die Marmolata (3343m)

Hier startet auch der Klettersteig, der über den Nordgrat auf den Gipfel führt. Da man sich vorwiegend im Gehgelände bewegt, können geübte Alpinwanderer den Steig guten Gewissens ohne Sicherung gehen; Anfänger mit Sicherung werden ihre Freude haben.



Aber auch Personen, die sich im sportlichen Sinne vielleicht unterfordert fühlen, möchte ich den Aufstieg empfehlen. Die Landschaft ist einfach herrlich, und das Panorama wird mit jedem Schritt besser!


Oben angekommen genießt man einen 360°-Blick und den erstaunlich geräumigen Gipfelbereich, der zu einer langen Rast einlädt. Auch das Kreuz finde ich sehr gelungen.





Hat man sich endlich losgerissen, besteht die Wahl zwischen zwei Abstiegen: gleicher Weg zurück oder die Überschreitung zur Rotwandhütte. Natürlich gingen wir die Überschreitung an, wohl wissend, dass eine schwierige Passage noch vor uns liegen würde. Zuerst einmal geht es jedoch wandernd ein gutes Stück auf schmalem Pfad hinab, wobei man hier - wie auch schon zurvor auf dem Nordgrat - darauf achten sollte, keine Steine ins Rollen zu bringen. Man gelangt schließlich zu einer Schlucht, auf dessen gegenüberliegender Seite man schon die Klettersteiggeher beobachten kann, welche sich an einer senkrechten Wand bewegen.


Dabei wird schnell klar, dass es sich hier um eine andere Dimension als beim Nordgrat handelt - auch wenn es nur eine kurze Stelle ist. Wie jedoch so oft löst sich das Ganze von Nahem betrachtet gewissermaßen in Wohlgefallen auf, und auch unser Klettersteigneuling überwand diese Passage mit etwas Hilfe bravourös.


Rückblick zum Abstiegsweg zur Schlucht

Aufgrund fortgeschrittener Zeit ließen wir den Masaré-Klettersteig aus und begaben uns statt dessen auf den Weg zur Rotwandhütte. Nachdem an der Weggabelung ein gut baskettballgroßer Stein etwa fünf Meter entfernt an uns vorbei sauste, waren zwar die Knie etwas weicher, doch achteten wir nun umso mehr darauf, nicht selbst einen Steinschlag auszulösen - vor allem, nachdem es sich genau am Ausstieg einer weiteren schmalen Schlucht jemand gemütlich gemacht hatte und in aller Ruhe seine Klettersachen auszog. Sachen gibts...


Die kurzen Klettersteigpassagen hinab zur Hütte sind nicht unbedingt unanspruchsvoll und so ging es noch einmal mit aller Konzentration ans Werk. Völlig aufs Klettern konzentriert merkte ich dann auch leider einen Moment zu spät, dass ich auf mein erstes in "freier Wildbahn" erspähte Edelweiß draufgetreten war...


Ich denke aber, es hat es überstanden, Alpinblumen sind ja ziemlich robust. Beim weiteren Abstieg sahen wir noch viele weitere Edelweiß, was super schön war, denn sie sind ja schon DAS Symbol des Bergsteigens.

Blick zurück


Leider gab es auf der Rotwandhütte keinen einzigen Schattenplatz, der Kaiserschmarrn war dafür umso besser: Mal zur Abwechslung mit karamellisierten Apfelstücken gleich im Teig - lecker! Auch die Aussicht kann sich sehen lassen, sodass man sich wiederum kaum aufraffen kann. Glücklicherweise ist es zurück zum Lift nicht mehr allzu weit, zudem geht es mehr oder weniger auf ebenem Weg dahin.


Beim Christomannos-Denkmal, einem überdimensionalen Adler, kann man noch ein Erinnerungsbild knipsen, bevor eine wunderschöne Tour im Rosengarten zuende geht.


  • Höhenmeter: Etwa 700 im Auf- und Abstieg
  • Zeitbedarf: Lift bis Scharte 1,5 Stunden, Klettersteig 1 Stunde, Abstieg zur Rotwandhütte gute 2 Stunden, zurück zum Lift etwa 45 Minuten (ohne Pausen und grob aus den Fotos/Gedächtnis)

Kommentare:

  1. Kann ich nur bestätigen als der genannte Klettersteigneuling. Es hat unglaublich Spaß gemacht, vor allem wenn man mit zwei erfahrenen lieben Menschen unterwegs ist die Geduld haben. Es hat alles gepasst, Geschwindigkeit, Wetter, relativ kurzer Hinweg und angenehmer Rückweg vom Steig. Aufregend war es trotzdem.

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  2. Freut mich sehr, dass es dir so einen Spaß gemacht hat! Gerne wieder ;)

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