Freitag, 3. Oktober 2014

Marmolata (3343m) - Königin der Dolomiten

Die Marmolata, höchster Berg der Dolomiten: Wer möchte da nicht hinauf?


Ich hatte mich schon vor längerer Zeit einmal mit dem Berg beschäftigt, die Idee einer Besteigung dann aber erstmal wieder zur Seite geschoben, da man selbst von Freising aus ja nicht so einfach mal schnell hin kommt. Als dann Steffi in ihrer Wunschliste für 2014 genau diesen Berg aufzählte, meldete ich mich ganz schnell als potentielle Mitgeherin an. Während meiner Planung des Sommerurlaubs wurde die Idee schließlich noch einmal auf den Tisch gebracht; und tatsächlich fanden wir einen Termin für einen gemeinsamen Gipfelversuch. So trafen wir uns mit Felix am 22.08. in München, um uns auf die lange Autofahrt zum Fedaia-Stausee zu machen. Voller Vorfreude stiegen wir von dort in etwa zwei Stunden zum Rifugio Pian dei Fiacconi auf.


Der eigentliche Plan war, am darauffolgenden Tag (Samstag) die Marmolata zu besteigen, wieder auf der Hütte zu übernachten und am Sonntag zur Langkofelhütte zu gehen, um von dort am Montag auf den Plattkofel zu steigen. Da für Samstag aber ab mittags schlechtes Wetter angesagt war, verschoben wir den Gipfeltag auf Sonntag und planten lediglich ein paar Gletscherübungen für den folgenden Tag ein. Katharina und Christoph, die am Freitag Abend eigentlich noch zu uns stoßen wollten, aufgrund der späten Ankunft aber nicht mehr zur Hütte aufstiegen, kam das nur entgegen.


Nach einer entspannten Nacht im Viererzimmer und einem eher dürftigen Frühstück (aber mit tollem Kaffee!) machten wir uns also um viertel vor neun mit voller Ausrüstung zum Gletscher auf, nur um dann festzustellen, dass es bereits beim kurzen Anmarsch anfing heftig zu schneien. Wir drehten also lediglich kurz die Eisschrauben ins Eis und legten ein paar Knoten, bevor wir uns wieder in die warme Stube der Hütte zurückzogen. Den Flaschenzug der Spaltenbergung wollten wir dann doch lieber im trockenen üben...

Nachdem uns mit fortschreitender Tageszeit langsam aber sicher die Decke auf den Kopf zu fallen drohte, war ich umso glücklicher, als sich für den Abend ein phänomenaler Sonnenuntergang ankündigte. Ich nutzte also die Gelegenheit für einen kurzen Spaziergang und "verschoss" in einer halben Stunde an die sechzig Bilder. (Da ich hier nicht alle zeigen kann, stelle ich noch welche in meinen flickr-Fotostream.)



Spät am Abend gesellten sich dann auch Katharina und Christoph, die sich bei Regen und Schnee durch den Klettersteig "Via Ferrata delle Tincee" gekämpft hatten, zu uns. Für den folgenden Tag war dann glücklicherweise gutes Wetter vorausgesagt, womit unserem gemeinsamen Gipfeltag nichts mehr im Wege stand.

Als wir am nächsten Tag um kurz nach sieben vor die Hütte traten, erstrahlte die Marmolata tatsächlich bereits im Sonnenlicht! Nach ein paar Metern über Fels seilten wir an und betraten den Gletscher, über den eine noch immer einwandfreie Spur nach oben zog. Durch den Neuschnee am Vortag hatten sich noch am Abend Lawinen gelöst, die das Fortkommen teilweise etwas erschwerten, ansonsten hatte der Schnee aber eine schöne (feste) Konsistenz.



Streckenweise ist der Gletscher recht steil, dann wird es wieder flacher. Nach einigen Serpentinen quert man zuletzt ohne Steigung nach rechts zu einer Felsstufe. Dies ist mit Sicherheit die heikelste Stelle des Aufstiegs, denn unmittelbar unter der Querung befinden sich einige offene Spalten, noch dazu ist der Gletscher hier nicht gerade flach.


Am Beginn der Felsstufe verstauten wir das Seil im Rucksack und stiegen aufgrund der Schneeauflage mit Steigeisen durch den Mini-Klettersteig. Dieser ist nicht wirklich schwer, und auch Absturzgefahr besteht kaum, sodass auf eine Sicherung verzichtet werden kann.


Oben geht es dann noch einmal ein paar Minuten über einen flachen Rücken. Dank des kalten Windes und der 20cm Neuschnee fühlte sich dieses letzte Stück zum Gipfel eher wie Winterbergsteigen an, und nicht wie eine Sommerhochtour...


Leider zogen immer mehr Wolken auf, sodass wir nur einen Teil der genialen Aussicht genießen konnten. Außerdem war es so kalt, dass ich beim Fotografieren Eisfinger bekam.






So machten wir uns nach den obligatorischen Gipfelbildern recht schnell wieder an den Abstieg; auch die Gipfelhütte besuchten wir nicht.



Vom oberen Einstieg der Felsstufe konnten wir dann bereits erkennen, was uns weiter unten bevorstehen würde: Menschenmassen auf dem Weg zum Gipfel, alle hochkutschiert mit der Seilbahn! Dass sowas nicht nur nervig, sondern auch gefährlich sein kann, bekamen wir am Übergang zum Gletscher zu spüren: Auf kleinstem Raum wollen die einen an-, die anderen abseilen, manche ziehen Steigeisen an oder aus - und dabei befindet man sich wie gesagt direkt oberhalb einer Spaltenzone.


Es ging jedoch alles unfallfrei über die Bühne, und dank des aufgefirnten Schnees war der weitere Abstieg reinstes Genussbergsteigen - sogar die Sonne zeigte sich noch einmal.


Um halb eins waren wir somit wieder an der Hütte, um ein wunderbares Gipfelerlebnis reicher! Dass es noch so früh war, kam uns sehr entgegen, denn am Folgetag wollten wir ja noch auf den Plattkofel. So stiegen wir nach einer kleinen Stärkung zum Auto ab und machten uns auf den Weg zum Sellapass, wo wir parken und zur Langkofelhütte aufsteigen wollten - Bericht hier.

Achja: Eigentlich wollten wir ja über den Westgrat-Klettersteig zur Marmolata gehen, doch da wir nicht wussten, wieviel Schnee liegen und ob er eventuell vereist sein würde, zogen wir den Gletscher vor. Schade - aber es ist ja nicht ausgeschlossen, dass ich noch einmal wiederkomme, denn das Panorama würde ich gern auch noch ohne Wolken genießen!
  • Höhenmeter: Knapp 600 zur Hütte, dann nochmal gut 700 zum Gipfel
  • Zeitbedarf: Zum Gipfel und zurück etwa 5 Stunden (ohne Pausen)
  • Hier gehts zu Felix' Bericht auf hikr.org
  • Und hier zu Steffis Bericht auf ihrem Blog

Kommentare:

  1. Glückwunsch zur Dolomiten-Königin! Und sehr vorbildlich, dass ich ihr nachmittags noch geübt habt! Wir machen das - meistens zur Beslustigung der anderen Hüttengäste - auch immer mal wieder und waren bislang immer die einzigen.

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  2. Danke dir! Ja, wir wollten das einfach sicherheitshalber alles nochmal durchgehen - eigentlich ja an der frischen Luft, aber so sorgten wir tatsächlich für Unterhaltung auf der Hütte ;)

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  3. Gratulation zur Marmolata! :) Steht bei mir auch auf der Liste, dank der sehr guten Informationen hier krieg ich wieder Gusto. :)

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  4. Hallo Martin,

    vielen Dank für die Glückwünsche und das Lob! Dann hoffe ich, dass es bei dir auch bald mit der Marmolata klappt, es lohnt sich :)

    Gruß

    Rebecca

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