Mittwoch, 29. Oktober 2014

Weiblkante mit Variante (V-)

Puh, das ist aber ein ziemlich harter Vierer, denke ich mir und suche nach einem vertrauenserweckenden Griff. Mit dem Rucksack fühlt sich die senkrechte Wand irgendwie überhängend an, gute Tritte gibts auch keine. Aber neben mir ist gleich der Haken, also kann ja nicht viel passieren - ein kurzer Kraftakt und ich stehe wieder im geneigten Gelände direkt am ersten Standplatz.

So kann es gehen, wenn man sich am Abend zuvor spontan dazu entschließt, zu einer Wanderung/Bergtour auch noch Klettergurt, Seil und Exen mitzunehmen, zu der Tour aber nur wenig Informationen im Netz findet. Geplant war die Weiblkante (IV), geklettert sind wir zumindest in der ersten Seillänge etwas anderes...


Start ist am Parkplatz am Kloster Ettal, erstmal geht es gute sechshundert Höhenmeter durch den Wald zum Einstieg des Mini-Klettersteiges des Ettaler Manndls. Wir steuerten von dort jedoch die Westkante des Ettaler Weibls an, welche nach ein paar Metern Richtung Laberbergbahn rechts abbiegend über einen recht deutlichen Pfad erreicht wird. Der Anseilplatz bricht nach Norden steil ab, zu zweit kann man es sich aber gemütlich machen. Auch der Routenname ist angeschrieben, sodass eigentlich nichts schiefgehen kann - denkste!


Nach ein paar Metern stehe ich nämlich genau an der oben beschriebenen Stelle und frage mich, ob mir ein Vierer tatsächlich so schwer fallen kann. Auch Syoko, die nachsteigt und weniger Klettererfahrung hat als ich, zweifelt an der Schwierigkeitsbewertung.

Bis hierhin gings noch ganz gut...

Syoko in der besagten Schlüsselstelle

Und das Ganze von unten fotografiert

Vom ersten Standplatz geht es dann glücklicherweise gemütlicher weiter: Laut Beschreibung ein Dreier, in unseren Augen allerdings ein wenig überbewertet - vielleicht kam es uns nach der "Vier" aber auch nur so leicht vor. Auch hier sind es wieder nur fünfzehn Meter bis zum nächsten Stand, von dem aus man einen schönen Blick über die letzte Seillänge über den Grat hat. Auch das Gipfelkreuz des Ettaler Manndls ist schon zu sehen.



Blick zurück

Die Schwierigkeiten bewegen sich hier höchstens im zweiten Grad, sodass im Grunde auch auf die Seilsicherung verzichtet werden könnte. Der letzte Stand am Gipfel des Weibls scheint sowieso "abgebaut" worden zu sein, sodass man (auch aufgrund des Seilzugs) am besten schon vorher an einem Köpfel Stand macht. Die letzten Meter zur Scharte unterhalb des Manndls sind dann nur noch ausgesetztes Gehgelände.


Dem bekreutzen und ziemlich überfüllten Gipfel statteten wir noch einen kurzen Besuch ab, bevor wir über den Klettersteig abstiegen - im Stop and Go und Fragen beantwortend wie "Muss man hier auch wieder runter?" ...



Den Versuch, noch die Manndlköpfe zu überschreiten mussten wir leider aufgrund des einsetzenden Regens abbrechen. Neben weglosem Gekraxel in ausgesetzten Schrofen und im steilen Waldgelände gab es jedoch noch ein paar schöne Blicke zu unserer Kletterroute.


Auf den rechten Zacken sind wir geklettert; man schaut eigentlich genau auf die Kante

Zu guter Letzt schulde ich wohl noch eine Erklärung. Dank Reiner, der das Rätsel in Syokos Eintrag auf hikr.org löste, wissen wir nun, dass wir die erste Variante der Weiblkante geklettert sind und es sich dabei wohl um eine V- handelt. Das passt in meinen Augen ganz gut, auch wenn es leicht frustrierend ist, wenn man in der Halle mindestens zwei Grade mehr schafft... So oder so kann ich die Miniklettertour wirklich empfehlen - wenn man denn bereit ist, Seil und Co. für eine solch kurze Route den Berg herauf zu schleppen. Die bewundernden Blicke der meist zahlreich anwesenden Wanderer machen es aber schon irgendwie wett, und Sätze wie "Die sind richtig geklettert, mit Seil und so" klingen für mich wie Musik in meinen Ohren :)

--> Link zu Nicos Bericht zur versuchten Manndlköpfe-Überschreitung

Kommentare:

  1. Jetzt erst entdeckt diesen Beitrag. Hättet Ihr mal auf meiner Seite geschaut, da gibt es ein Foto vom Einstieg mit der Variante! ;-) Wobei es so sicher eh interessanter für Euch war. Wir fanden die Tour auch nett, nur das Verhältnis Zustieg - Kletterlänge ist nicht optimal. Lustig sind dann in der tat die Wanderer, die man trifft und die teilweise schon mit dem Steig überfordert sind.

    Schöne Grüße
    Hannes

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  2. Hey Hannes,

    deinen Eintrag habe ich gesehen, allerdings erst nachher, glaube ich. Auf jeden Fall war es mit der Variante mit Sicherheit spannender, da hast du recht :) Wollte bei dir auch schon kommentieren, aber die Kommentare sind da leider deaktiviert...

    Schönen Sonntag!

    Rebecca

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  3. Hallo Rebecca,

    stimmt - ich hatte die Kommentare bei alten Beiträgen gesperrt, um Spam zu vermeiden. Inzwsichen habe ich dafür eine andere Möglichkeit gefunden und es können wieder alle alten Beiträge kommentiert werden. :)

    Ich wünsche Dir viele schöne Klettertouren in der kommenden Saison! Grüße
    Hannes

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  4. Danke, das wünsche ich dir auch :)

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